Wirtschaft : Grüner Punkt: Das Duale System unter Druck

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Die Duales System Deutschland AG (DSD) verdankt ihre Existenz der Verpackungsverordnung vom 12. Juni 1991, die der frühere Umweltministers Klaus Töpfer (CDU) auf den Weg brachte. Das Gesetz verpflichtet Industrie und Handel zur Rücknahme gebrauchter Verkaufsverpackungen. Im Vorgriff auf die Verpackungsordnung wurde das Duale System bereits im Jahre 1990 gegründet. Das DSD vergibt Lizenzen an Hersteller und Vertreiber, die ihre Produkte dann mit dem grünen Punkt kennzeichnen dürfen. Im vergangenen Jahr sammelte das DSD 600 000 Tonnen Kunststoffabfall zur Sortierung und Wiederverwertung ein. Bei fast 19 000 Lizenznehmern kassiert das Duale System knapp 2700 Mark pro Tonne ein. Die Hersteller holen sich das Geld, das sie für den Grünen Punkt zahlen, von den Verbrauchern über höhere Produktpreise zurück. Den Abfall entsorgt das DSD nicht selber, sondern gibt die Aufträge an regionale Entsorger weiter.

Die Verpackungsverordnung schreibt dem Dualen System vor, dass etwa 60 Prozent der Kunststoffabfälle einer stofflichen Verwertung zugeführt werden müssen. Diese Verwertungsquote ist in allen Bundesländern gleichermaßen zu erfüllen - eine Auflage, die dem Dualen System Schwierigkeiten bereitet. Überhaupt gerät das DSD zunehmend in Bedrängnis, seine Monopolstellung zu rechtfertigen. Ein Gutachten des Sachverständigenrat für Umweltfragen attestierte dem DSD einen "erheblichen Reformdruck", beim Bundeskartellamt liegen Beschwerden gegen die Alleinzuständigkeit des DSD vor.

Eine ernsthafte Bedrohung für das Duale System ist die Mainzer Landbell AG, die in Hessen mit einem eigenen Verwertungssystem auf den Markt drängt, das bis zu 50 Prozent günstiger sein soll: Nur noch papierfaserhaltige Verpackungen müssen extra sortiert werden. Kunststoff- und Metallverpackungen, wie Joghurtbecher oder Getränkedosen, sollen wieder in den grauen Restmülltonne landen - schließlich machen sie von 24 Millionen Tonnen Haushaltsmüll nur drei Prozent aus. In einer Müllverarbeitungsanlage im hessischen Lahn-Dill-Kreis wird der Gesamtmüll dann getrocknet und von Metallen und Schwerstoffen befreit. Die übrigbleibende staubtrockene Mixtur hat einen hohen Heizwert und lässt sich wie Kohle lagern und verfeuern.

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