Wirtschaft : Grüner Strom soll Markenzeichen werden

BERLIN (vis). Mit Energie aus regenerativen Quellen könnte bereits in 20 Jahren der gesamte Atomstrom in der Bundesrepublik ersetzt werden. Das sagte der Vorsitzende des neu gegründeten Verbands Regenerative Energiewirtschaft e. V. (VREW), Martin Jakubowski, am Mittwoch in Berlin. Noch ist "grüner Strom" aus Biomasse, Wasser-, Wind- und Solarenergie allerdings rund zehn Prozent teurer als konventionell erzeugter Strom. "Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das Mehrkosten von 10 bis 15 DM im Monat", sagte Jakubowski. "Wir denken, daß wir mit einem Potential von fünf bis zehn Prozent der Haushalte als Kunden rechnen können." Bei einem Energiemarkt, auf dem Strom in einem Wert von 125 Mrd. DM erzeugt wird, sei auch ein Marktanteil von wenigen Prozenten ein starker wirtschaftlicher Faktor.

Der Ökostrom brauche eine Starthilfe, um sich später selbst am Markt behaupten zu können, so der Verband. Dafür müßten jedoch die Rahmenbedingungen stimmen. Der VREW will sich daher für einen fairen Zugang des grünen Stroms ins deutsche Stromnetz einsetzen. "Grüner Strom muß bei der Durchleitung vorrang haben", sagte Jakubowski. Dafür werde man genauso Gebühren zahlen wie andere Wettbewerber, wichtig sei nur der diskriminierungsfreie Zugang. Zur Zeit würden Durchleitungsgebühren zwischen zehn und 18 Pfennig pro Kilowattstunde verlangt. Die Versorger verlangten dagegen von ihren Endkunden nur zehn Pfennig oder weniger. In England seien dagegen Durchleitungsgebühren von vier bis 4,5 Pfennig die Regel. Der Verband fordert daher eine Regulierungsbehörde, ähnlich wie es sie auf dem liberalisierten Telekommunikationsmarkt bereits gibt. Sie soll eingreifen, wenn die Netzbetreiber ihre Stellung mißbrauchen. "Wir brauchen verläßliche Rahmenbedingungen", forderte Jakubowski eine Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes.

Eine Hauptaufgabe des Verbandes wird die Vermarktung des Ökostroms sein. Dafür soll ein Gütesiegel "grüner Strom" entwickelt werden, um die Akzeptanz beim Verbraucher für Strom aus regenerativen Quellen zu erhöhen. Mit dem Siegel soll der Nachweis erbracht werden, daß Ökostrom auch den Bedarf deckt, also Versorgungssicherheit bietet.

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