Wirtschaft : Grünes Licht für die Fusion von Daimler und Chrysler

STUTTGART/MÜNCHEN (rtr/AFP/tmh).Für die Mega-Fusion der Daimler-Benz AG mit dem US-Konzern Chrysler zum drittgrößten Autohersteller der Welt ist aus kartellrechtlicher Sicht der Weg frei.Nach den Wettbewerbshütern der EU habe nun auch die US-Kartellbehörde FTC dem Vorhaben ohne Auflagen zugestimmt, teilten beide Unternehmen mit.Daimler-Vorstandsmitglied Eckhard Cordes erklärte am Freitag, damit könne der Zeitplan für die Fusion eingehalten werden.In der kommenden Woche will Daimler die Aktionäre über die Details der Fusion informieren.

Chrysler-Chef Robert Eaton erklärte, die Zustimmung der Federal Trade Commission (FTC) sei eine großartige Nachricht für die beiden Unternehmen.Nun könne die Planung für die Fusion weitergehen.Der für Konzernstrategie zuständige Daimler-Vorstand Cordes erklärte, damit sei eine weitere Hürde auf dem Weg zum Zusammenschluß der beiden Unternehmen genommen.Die schnelle Entscheidung der FTC erlaube es, den Zeitplan einzuhalten.Die Fusion soll möglichst bis Anfang Dezember vollzogen sein.

An der künftigen DaimlerChrysler AG werden nach den Plänen der Unternehmen die bisherigen Daimler-Aktionäre 57 Prozent und die jetzigen Chrysler-Aktionäre 43 Prozent halten.Am 18.September sollen die Aktionäre beider Unternehmen auf außerordentlichen Hauptversammlungen über das Vorhaben abstimmen.Durch die Fusion entsteht ein globaler Industriekonzern mit einem Jahresumsatz von 234 Mrd.DM, 421 000 Mitarbeitern, einer breitgefächerten Produktpalette und Präsenz in nahezu allen Teilen der Welt.Entlassungen sind nach Aussagen der Firmen nicht geplant.

Bei der britischen Traditionsmarke Rolls-Royce schlagen die Wellen hingegen weiterhin hoch.Der Geschäftsführer von Rolls-Royce, Graham Morris, trat aus Protest gegen die Aufteilung der Marken Rolls-Royce und Bentley an BMW beziehungsweise VW zurück.Der 48 Jahre alte Morris werde noch im Rolls-Royce-Werk in Crewe bleiben, bis der Volkswagen-Konzern einen Nachfolger gefunden hat, teilte die Rolls-Royce Motor Cars am Freitag mit.Morris begründete seinen Schritt mit der Vereinbarung von VW, BMW und dem Triebwerkeherstellers Rolls-Royce Plc zur Marke Rolls-Royce.Dies könne den Produktionsstandort Crewe bedrohen.Gegenüber der Belegschaft soll Morris seinen Rücktritt als eine Frage von "Ehre und persönlicher Integrität" bezeichnet haben.

BWM-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder kündigte unterdessen an, BMW werde neben dem neuen Rolls-Royce-Modell "Silver Seraph" in seinem in England geplanten Rolls-Royce-Werk "frühestens 2003, aber sicher auch nicht viel später" weitere Modelle der Luxusmarke bauen.Zwischen Rolls-Royce und dem heute teuersten BMW "750iL" sei möglicherweise Platz für eine andere Marke.Die Rolls-Royce-Produktion solle von rund 750 Autos auf 1500 bis 2000 jährlich steigen.Ob BMW dies schaffen kann, muß sich noch zeigen, denn der nun beigelegte Streit um die Zukunft der Edelmarke verunsicherte offenbar bereits zahlreiche Kunden: Die Bestellung für Rolls-Royce und Bentley gingen in den vergangenen sechs Wochen um 30 Prozent zurück.

Weiterhin erklärte Pischetsrieder in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" , BMW erwäge weitere Zukäufe.Sobald die Kfz-Industrie in ihre nächste Krise abdrifte, werde sich BMW wieder am Übernahmekarussell beteiligen.Diesen Abschwung der Branche sieht er binnen zwei Jahren zuerst in den USA und in Europa eventuell etwas später heraufziehen.Dann komme für BMW die Zeit, wieder aktiv zu werden."Es kann sein, daß es sich um einen Hersteller in Asien handeln würde," sagte Pischetsrieder.Es könne aber auch ein Produzent aus dem obersten Luxussegment sein.Einen konkreten Kandidaten orte er derzeit nicht.Gerüchte über angebliche Gelüste der Volkswagen AG, Wolfsburg, BMW zu übernehmen, sehe er gelassen.BMW habe 35 Jahre mit solchen Spekulationen gelebt und sei dabei nur stärker geworden, erklärte er selbstsicher.

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