Wirtschaft : Grundig auf der Suche nach einem Investor

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Die Zeit für den traditionsreichen Unterhaltungs-Elektronik-Hersteller Grundig AG wird knapp: Bis Ende Juni muss Grundig-Chef Hans-Peter Kohlhammer einen finanzkräftigen Partner für das Traditionsunternehmen finden. Sonst könnte das Geld ausgehen, weil die Kreditlinien auslaufen. Dem Vernehmen nach ist das Nürnberger Unternehmen mit drei Finanzinvestoren im Gespräch. Ein Abschluss steht aber nicht unmittelbar bevor.

Mehrheitseigentümer Anton Kathrein ist bereit, bis zu 49 Prozent der Aktien abzugeben. Kathrein aus Rosenheim, ältester Antennen-Bauer der Welt, hatte im Jahr 2000 knapp 90 Prozent an Grundig übernommen. Das ehemalige deutsche Vorzeige-Unternehmen mit einem Umsatz von derzeit knapp 1,4 Milliarden Euro stand damals vor der Pleite.

"Ein Finanzpartner muss die Expansion mitfinanzieren", sagte Kohlhamer lediglich. So planen die Franken eine Marktoffensive in Asien. Dort durfte Grundig nach der Trennung vom früheren Besitzer Philips im Jahr 1997 nichts mehr verkaufen. Mehrere Kooperationen mit asiatischen Partnern im Einkauf und Verkauf sowie als Lieferanten für Geräte seien geplant, ein Vertrag bereits unterschrieben. "Ursprünglich haben wir eher an einen strategischen Partner gedacht", räumt Kohlhammer ein. Wegen der allgemeinen Marktschwäche wurde es aber nichts mit dem Wunschpartner aus der Branche: "Die sind derzeit fast alle mit sich selbst beschäftigt." In der Tat sieht es für viele Unternehmen der Unterhaltungselektronik schlecht aus. Auch der Umsatz von Grundig lag im ersten Quartal etwa zehn Prozent unter den Planungen, sagte Kohlhammer. Das Ergebnis sei aber wesentlich besser ausgefallen als prognostiziert: Kohlhammer hat das Produktprogramm radikal zusammengestrichen und setzt verstärkt auf höherwertige Ware. Billige TV-Geräte werden nicht mehr selbst produziert, sondern aus der Türkei bezogen.

Wegen der damit verbundenen hohe Sanierungskosten rutschte Grundig 2001 bei einem Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro unterm Strich vermutlich mit rund 160 Millionen Euro ins Minus. Die endgültigen Zahlen werden Mitte Mai vorlegt. Insgesamt arbeiten inzwischen weniger als 5000 Leute für die Firma, die in guten Zeiten 40 000 Mitarbeiter beschäftigte.

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