Wirtschaft : Grundig: Elektronik-Konzern baut 900 Arbeitsplätze ab

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Die Nürnberger Grundig AG wird bis Ende 2001 im Inland 900 der 5900 Stellen streichen, aber keine Werke schließen. Darauf haben sich Management und Arbeitnehmer in einer mehrstündigen Aufsichtsratsitzung geeinigt, sagten Grundig-Vorstandssprecher Herbert Bruch und Betriebsrsatschef Dieter Appelt am Freitag in Nürnberg.

Demnach sollen am Hauptstandort Nürnberg bis zu 600 und in Bayreuth über 200 Arbeitsplätze wegfallen. Der Standort Nürnberg-Langwasser bleibt nach Grundig-Angaben weiter Unternehmenszentrale, die Fernsehproduktion werde aber nach Wien verlagert. In Nürnberg sollen künftig ausschließlich Tuner und Kopfstationen gefertigt werden. Das urspünglich geplante Aus für die Fabrik in Bayreuth und den Produktionsstandort Nürnberg sei verhindert worden, hieß es. Nun gebe es gute Chancen, auch die Banken für eine Grundig-Sanierung zu gewinnen.

Den Kreditbedarf, der auch den Stellenabbau beinhalte, bezifferte Grundig-Finanzchef Günter Moissl auf knapp 400 Millionen Mark. Der finanzielle Engpass sei nicht akut, müsse aber vor Weihnachten beseitigt werden. "Ich bin überzeugt, dass Grundig eine Chance hat," betonte Bruch. Er sieht das Unternehmen an einem "neuen Wendepunkt" und kündigte baldige Kreditgespräche an. Bislang haben die Kreditinstitute um die Deutsche Bank eine Zusage, davon abhängig gemacht, dass alle Beteiligten, also auch das Personal, dem vom Unternehmensberater Roland Berger erarbeiteten Sanierungskonzept zustimmen. Der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung mehrheitlich gefällt, sagte Appelt. Der Betriebsratsvorsitzende kündigte an, weiter gegen den geplanten Stellenabbau kämpfen zu wollen.

Die Belegschaft will der Deutschen Bank noch am Freitag eine Resolution übergeben. Sie fordert, dass das Institut Grundig weiter unterstützt. Die schon am Freitag am Werksgelände protestierende Belegschaft will vor allem nicht hinnehmen, dass die bei Grundig dominierende TV-Produktion von Nürnberg-Langwasser ins Werk Wien verlagert wird. Das ziehe einen schädlichen Imageverlust nach sich, warnte Appelt. In der Produktion wären damit hier zu Lande nur noch 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Unterdessen räumte Vorstandssprecher Bruch ein, eine schon 1997 erstmals von Berger erstellte Grundig-Studie nicht "intensiv genug" umgesetzt zu haben. Vor allem beim schon dort vorgesehenen Stellenabbau im Inland sei das Management nicht hart genug gewesen. Grundig habe ein Kosten- aber kein Marktproblem und sei technisch etwa bei Digital-TV führend. Dennoch strebt Bruch Kooperationen in verschiedenen Geschäftsbereichen, aber auch auf Ebene des Gesamtkonzerns an. Dort steht offenbar ein Aktienpaket von rund zehn Prozent für einen strategischen Partner zur Verfügung.

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