Wirtschaft : Grundkreditbank auf Sanierungskurs

BERLIN (jhw).Viele der rund 1200 Mitarbeiter der Grundkreditbank (GKB) fürchten derzeit aufgrund der Schieflage ihres Arbeitgebers um ihren Arbeitsplatz.Aufgrund der Fusion der Bank mit der Köpenicker Bank und der Deutschen Kredit- und Handelsbank rechnet jeder fünfte Beschäftigte mit dem Wegfall seines Jobs.Nur durch die zügige nächste Fusion - jetzt mit der Berliner Volksbank - will der Vorstandsvorsitzende Karl Kauermann künftig betriebsbedingte Kündigungen ausschließen.Das kündigte er auf einer Betriebsversammlung seines Instituts an.

"Die Fusion mit der Berliner Volksbank ist zum schnellstmöglichen Zeitpunkt notwendig", sagte der GKB-Chef während der Bilanzpressekonferenz am Freitag."Im nächsten Jahr brauchen wir ein großes genossenschaftliches Institut in Berlin." Kauermann führte an, die Volksbank teile die Fusionsüberlegungen "prinzipiell".Freilich hatte Volksbank-Chef Ulrich Misgeld in der vorigen Woche gemahnt, die GKB müsse zunächst "umfassende Klarheit" über ihre wirtschaftliche Lage ablegen.Nun sagte Kauermann, er glaube nicht, daß es Zweifel bei der Volksbank am Sanierungskurs der GKB gebe.Zudem berichtete er, daß er regelmäßig mit Misgeld spreche, zuletzt am Freitagmorgen kurz vor der Bilanzvorlage.

Für die GKB sei die Fusion überlebensnotwendig, weil sie praktisch ohne stille Reserven dastehe.Diese summieren sich nach Kauermanns Angaben auf rund 45 Mill.DM: etwa 25 Mill.DM aus einer Neubewertung des kleinen Anteils, den die Bank am genossenschaftlichen Spitzeninstitut DG Bank, Frankfurt (Main), hält, und ungefähr 20 Mill.DM aus Wertpapiergeschäften seit Anfang des Jahres.Die Bank werde mehr als die Hälfte dieser stillen Reserven heranziehen, um die Hilfen der Sicherungseinrichtungen des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zu reduzieren.Bisher hat sie nach eigenen Angaben über 540 Mill.DM erhalten, die sie in den nächsten Jahren zurückzahlen muß.In diesem Jahr hat der BVR weitere 150 Mill.DM genehmigt, die - so Kauermann - "ganz sicher nicht ausgeschöpft werden".

Die GKB ist aufgrund des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes in Berlin in tiefe Schwierigkeiten geraten.Auch in diesem Jahr erwartet sie in diesem Geschäft keine Besserung.Schon von 1995 bis 1997 mußte sie wegen Fehlspekulationen eine Risikovorsorge von über einer Mrd.DM treffen.

Der langjährige GKB-Chef Jürgen Bostelmann mußte zum Jahresende seinen Posten räumen.Die DG Bank leistete Management-Hilfe, und mit Kauermann übernahm der ehemalige Chef der Hessischen Landesbank die Führung.Bostelmann erhielt zunächst einen Beratervertrag für Fusionspläne.Den allerdings löste Kauermann im vergangenen Monat auf, wie er am Freitag sagte.Im Zuge der Sanierung sei die GKB darauf angewiesen, Sparpotentiale auszuschöpfen, sagte Kauermann.Er geht davon aus, daß sein Haus bis zum Jahresende saniert sei.Er verwies darauf, daß die Bank in diesem Jahr ihr operatives Geschäft wieder mit einem Gewinn abschließen werde, während sie im vorigen Jahr aus ihrer gewöhnlichen Geschäftstätigkeit Verluste machte.

Dieses Jahr stehe unter dem Zeichen der Konsolidierung.Das wichtigste Ziel sei, die drei fusionierten Banken zu einer organisatorischen Einheit zusammmenszuschließen.Aus dieser Ankündigung ergibt sich die Angst der Belegschaft vor dem Arbeitsplatzabbau.Zu den zwei Betriebsversammlungen im April und am Mittwoch erschienen etwa 600 Mitarbeiter - fast dreimal so viele wie zu denen davor.

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