Wirtschaft : Gruner + Jahr: Die Anzeigenflaute trifft auch den Großverlag

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Mit Gruner + Jahr hat zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen ein deutscher Großverlag dramatische Gewinneinbrüche gemeldet. Nach den Halbjahreszahlen des Zeitungshauses Axel Springer Verlag am Mittwoch teilte der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) am Donnerstag in Hamburg seine Bilanz des Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahres 2000/2001 mit. Demnach stieg der Umsatz zwar um 114 Millionen Euro (3,9 Prozent) auf 3,05 Milliarden Euro. Der im Vorjahr erzielte Gewinn in Höhe von 284 Millionen Euro brach jedoch auf 42 Millionen Euro ein. Das Ebitda sank von um 94 auf 256 Millionen Euro. Der Cashflow betrug 270 Millionen Euro - nach 447 im Vorjahr.

Bernd Kundrun, erst seit November 2000 Vorstandsvorsitzender des Bertelsmann-Unternehmens G+J, begründete das schlechte Ergebnis mit der branchenweit herrschenden Anzeigenflaute (die allerdings erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres wirksam wurde), mit Verlusten im Internet- und Multimediabereich und weltweit stark gestiegenen Papierpreisen. Zu erklären ist dies aber auch mit den hohen Investitionen - den höchsten in der Verlagsgeschichte: 1,036 Milliarden Mark flossen im abelaufenen Geschäftsjahr in Sachanlagen, Akquisitionen und Anlaufverluste. Kundrun sagte dazu: "Es war das Jahr der Investitionen in die Zukunftssicherheit unserer Marktpositionen in Europa und den USA, das Jahr des abrupten Endes der Internet- und Börseneuphorie und das Jahr des konjunkturellen Abschwungs in Deutschland und den USA. Ungünstiger konnten sich die Rahmenbedingungen für uns nicht entwickeln".

Besonders die dreistellige Millionensumme, die G+J in die Multimedia-Aktivitäten steckte sowie die erheblichen Summen, die in die Modernisierung nahezu aller US-Zeitschriften und den Kauf der beiden Wirtschaftstitel "Fast Company" und "Inc" gesteckt wurden, belasten das Ergebnis. Dafür kann sich G+J nun freuen, im US-Ranking von Platz sieben auf fünf vorgerückt zu sein. Den in der Branche als überhöht angesehenen Preis von 350 Millionen US-Dollar für "Fast Company" wollte Kundrun nicht bestätigen. "Die Frage ist, hätte man diesen zukunftsträchtigen Titel im März 2001 für weniger Geld bekommen."

Insgesamt setzt der Verlag 62 Prozent (Vorjahr: 58) im Ausland um, jeweils zur Hälfte in den USA und in Europa. Im Vertrieb sank der Anteil am Gesamtumsatz von 3,05 Milliarden Euro unter anderem aufgrund des Rückzugs aus dem britischen Zeitschriftenmarkt auf 29 Prozent. Der Anteil aus dem Anzeigengeschäft stieg noch leicht von 42 auf 43 Prozent. Dies ist zum einen auf die neu erworbenen US-Magazine und die Auswirkungen des goldenen Werbejahres 2000 zurückzuführen. Ein Fünftel trägt der Druck-Bereich zum Umsatz bei.

Der Verlag von Titeln wie "Stern", "Brigitte", "Geo", "Gala" und "Berliner Zeitung" rechnet damit, dass "das wenig erfreuliche Szenario", vor allem die Anzeigenflaute, noch lange Zeit anhalten wird. "Wir haben uns auf anhaltend schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen bis weit in das Jahr 2002 eingerichtet", sagte Kundrun. Dennoch prognostiziert das Zeitschriftenhaus, zu dessen Kerngeschäft die schlingernden internet- und wirtschaftsorientierten Zeitschriften gehören, bereits für das laufende Geschäftsjahr ein "deutlich" besseres Ergebnis. Drei Punkte lassen Kundrun hoffen: Zum einen werde G+J bis dahin "die Anlaufverluste im Bereich Multimedia reduziert haben", zum anderen würde das gerade begonnene Kostensenkungsprogramm CAP (Cost and Process) erste Wirkungen zeigen. Das neue Geschäftsjahr dauert nur bis Ende Dezember. Wie die Konzernmutter Bertelsmann passt G+J das Geschäftsjahr ab 2002 dem Kalenderjahr an.

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