Wirtschaft : Gruner+Jahr: Gerd Schulte-Hillen räumt nach 19 Jahren den Chefsessel

Ulrike Simon

Mit seiner Abschiedsrede gelang dem Gruner +Jahr-Chef Gerd Schulte-Hillen gestern eine souveräne Stabübergabe an seinen 17 Jahre jüngeren Nachfolger Bernd Kuntrun. Schulte-Hillen folgt der Konzern-Regelung und gibt mit 60 Jahren den Vorstandsvorsitz in Deutschlands größtem Zeitschriftenverlag ab und wechselt Ende Oktober nach 19 Jahren in den Aufsichtsrat der Muttergesellschaft Bertelsmann. Von seiner manchmal zynischen Selbstgefälligkeit war am Donnerstag nichts zu spüren.

Der Diplom-Ingenieur und Betriebswissenschaftler Schulte-Hillen kam im März 1973 zu Gruner + Jahr, um die Druckerei in Itzehoe bei Hamburg zu sanieren. Später verantwortete er als Vorstand sieben Druckereien. In seiner Amtszeit machte Schulte-Hillen mit der Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher im "Stern" seine "schwerste Erfahrung", betonte er gestern. "Am meisten hat mich die Einsicht bedrückt, dass das Unglück hätte vermieden werden können", sagte er.

Was folgte, war der millionenschwere Flop der Illustrierten "Tango". Auch die Tatsache, dass Michael Maier als "Stern"-Chefredakteur 1999 nicht reagiert habe, war für ihn eine persönliche Enttäuschung. Leidenschaftlich ist Schulte-Hillen auch das Zeitungsgeschäft angegangen, weshalb ihm die erste Gruner + Jahr-Zeitung, die "Hamburger Morgenpost", so sehr am Herzen lag. Doch manchmal müsse der Verstand eben fliegen, begründete er den Verkauf des glücklosen Blattes. Schulte-Hillen litt immer darunter, dass er als Buchhalter, Drucker und Maschinenbauer angesehen wurde. Was er sein wollte, war ein Kreativer, ein Journalist, ein Verleger.

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