Gruppe der Acht : Probleme von Format

Ab Mittwoch ist Gipfeltreffen in Italien. Doch in der Krise ist nicht mehr so klar, wer künftig dazugehören soll und wer nicht. Wo die Industrienationen stehen und was die Kanzlerin will.

Moritz Döbler

Berlin - Es hätte alles wieder so schön werden können. Die „MSC Fantasia“ war schon für das Gipfeltreffen der acht wichtigsten Industriestaaten in dieser Woche gebucht. Vor dem italienischen Inselarchipel La Maddalena sollte das mehr als 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff, erst vor gut einem halben Jahr von Sophia Loren getauft, vor Anker gehen. Doch Gastgeber Silvio Berlusconi disponierte um und verlegte den Gipfel in die Abruzzen, um dem Erdbebengebiet Aufmerksamkeit zu bescheren. Nun sind die hohen Gäste in einer Kaserne untergebracht, und von Ambiente spricht niemand mehr.

Das Downgrading ist symptomatisch. Die G 8 verlieren an Bedeutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), vor zwei Jahren gefeierte Gastgeberin in Heiligendamm, hat das in ihrer Regierungserklärung am Donnerstag angesprochen. „Der Gipfel in L’Aquila wird deutlich machen, dass das G-8-Format nicht mehr ausreicht.“ Es diene künftig dazu, „um Vorbesprechungen durchzuführen“. Für die eigentlich relevanten globalen Beschlüsse brauche es den größeren Kreis. „Ich denke, dass G 20 das Format sein sollte, das wie ein überwölbendes Dach die Zukunft bestimmt“, sagte Merkel.

Ausgerechnet im Jahr einer Weltwirtschaftskrise verliert der Weltwirtschaftsgipfel, wie die Treffen einst hießen, an Relevanz. Ausgerechnet jetzt wird auf ihm über alles Mögliche verhandelt, von Entwicklungshilfe bis Klimaschutz, nur nicht darüber, wie die Weltwirtschaft auf Trab gebracht werden soll. Folgerichtig ist das trotzdem. Denn die G 8 haben die Gefahren der Finanzmärkte eben nicht rechtzeitig gebannt. An Warnungen auch und vor allem aus Deutschland – von Merkel ebenso wie von ihrem Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) – hat es zwar nicht gefehlt. Aber die USA und Großbritannien, Heimat der weltweit wichtigsten Börsenplätze New York und London, verhinderten eine stärkere Regulierung.

Nun sollen es also die G 20 richten, zu denen auch die wichtigsten Schwellenländer gehören. Angelsächsisch geprägt ist auch dieses Format: Das erste Treffen der Staats- und Regierungschefs in diesem Format fand vor acht Monaten in Washington statt, das zweite vor drei Monaten in London und das dritte ist für Ende September – unmittelbar vor der Bundestagswahl – in der US-Industriestadt Pittsburgh geplant. Eine formale Struktur auf der Chef-Ebene gibt es nicht: keine Präsidentschaft, kein Sekretariat. Wer eingeladen wird, entscheidet der Gastgeber. So kam es, dass die vergleichsweise kleinen Niederlande beide Male dabei waren.

Während Berlin eine Erweiterung der G 8 lange ablehnte, heißt Merkel den größeren Kreis nun gut. Eigentlich sei der Anstoß ja aus Deutschland gekommen. Erst der so genannte Heiligendamm-Prozess habe die Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika förmlich einbezogen. Doch man kann das auch anders sehen: als einen Versuch, die Schwellenländer am Katzentisch zu halten.

Die nächsten Nationen stehen schon Schlange: Südkorea, Indonesien und Australien werden beim Gipfel in dieser Woche bei einzelnen Beratungen vertreten sein. Auch eine ganze Reihe von afrikanischen Nationen haben eine Einladung, darunter der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi. Er wird nicht in der Kaserne übernachten, sondern sein Zelt aufschlagen. Ein Teilnehmer orakelt indes, über die Zukunft der Weltwirtschaft bestimmten nicht die G 8, die G 20 oder noch größere Formate, sondern nur noch die G 2: die USA und China.

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