Wirtschaft : Günstige Gründerzeit - Die Kassen der Unternehmensfinanzierer sind prall gefüllt

Peter Bolm

Der Zeitpunkt, in Berlin eine Firma zu gründen, ist günstig. Zwar hat sich die in den zurückliegenden Jahren stets nach oben weisende Gründerkurve ein wenig abgeflacht. Dem Trend folgend, verlor die Hauptstadt im Vergleich zu anderen Regionen etwas von ihrem Vorsprung. Dennoch bewegen sich die Zahlen der Neugründungen - insbesondere für junge Technologiefirmen - weiterhin auf hohem Niveau.

Die ausreichend vorhandenen Kapitalstöcke von Kreditinstituten, Bürgschaftsbanken, Beteiligungsgesellschaften und Fördereinrichtungen sind nahezu eine Garantie dafür, dass seriöse Gründerideen auch einen passenden Geldgeber finden. An der Finanzierung, so das durchgehende Urteil, muss eine ausreichend vorbereitete Existenzgründung nicht mehr scheitern. Oft ist es reine Unkenntnis, die den richtigen Weg in die Finanzierung versperrt. Die EXFOR-Projektgruppe an der Fachhochschule Trier hat in Befragungen herausgefunden, dass nur die Hälfte aller Gründer professionellen Rat in Anspruch nimmt. Diese Art der Enthaltsamkeit ist um so erstaunlicher, als die Finanzierung sowohl bei den Gründern als auch bei den Beratern als Misserfolgsfaktor an oberster Stelle steht.

Dabei hängt es natürlich maßgeblich davon ab, in welcher Höhe und für welche Phase das Kapital benötigt wird - für den Start, das Wachstum oder die Konsolidierung. Einem Friseur, der seine Meisterprüfung abgelegt hat, genügen in der Regel schon weniger als 100 000 Mark, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Ohne eigene Mittel sind allerdings auch kleinere Beträge bei privaten Geldgebern kaum zu bekommen. Die vom Senat ausgelegte Meistergründungsprämie in Höhe von 20 000 Mark kann da schon eine wertvolle Hilfe sein, um mit diesem Eigenkapitalanteil vor allem die hohen Bankauflagen zu erfüllen. Nach wie vor gelten die Kreditinstitute als strenge Richter, wenn es darum geht, die entsprechenden Sicherheiten nachzuweisen. Im Durchschnitt werden Jahr für Jahr rund 250 Anträge auf eine Meistergründungsprämie in Berlin bewilligt. Voraussetzung ist die Firmengründung spätestens drei Jahre nach der Prüfung, eine Lebensdauer des Unternehmens von mindestens drei Jahren sowie die Schaffung eines Arbeitsplatzes oder einer Lehrstelle. Die Gelder sind öffentliche Zuschüsse, die bei Einhaltung der Auflagen nicht zurückgezahlt werden müssen.

Kleinere Beträge bietet auch die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) als Förderinstitut des Bundes mit einem Startgeld von bis zu 100 000 Mark an. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren und niedrigen Zinsen kann dem Kleinstgründer damit der nicht selten problematische Einstieg in die Unabhängigkeit erleichtert werden. Insgesamt hält die Ausgleichsbank von der ERP-Eigenkapitalhilfe dem Eigenkapital-Ergänzungsprogramm und ihren reinen Existenz-Gründungsprogrammen bis hin zu gezielten Bürgschaften eine breite Palette umfangreicher Finanzierungsmodelle bereit.

Gerade Bürgschaften können wertvolle Begleiter im Gründungsprozess sein. Bei der Bürgschaftsbank zu Berlin und Brandenburg (BBB) steht der Dienstleistungsbereich im Mittelpunkt der Aktivitäten. Mit seinen Finanzierungsinstrumenten haftet das Institut mit 80 Prozent der ausgereichten Mittel für Firmenkredite, die ohne diese Absicherung gar nicht oder nicht im gleichen Umfang zur Verfügung stünden. Der Rahmen für Bürgschaften und Garantien wurde auf einen Höchstbetrag 1,5 Millionen Mark festgesetzt. Rund 2000 Berliner Unternehmen haben sich bisher von der BBB ihre Kredite absichern lassen. Auch für kleinere Finanzierungspakete hält die Bank entsprechende Angebote bereit. Wer den Mitteleinsatz auf 100 000 Mark begrenzt, kann auch ohne vorherige Zusage einer Bank die Bürgschaft beantragen. Mit dem BBB-Titel im Gepäck ist der Kredit dann sehr viel leichter durchzusetzen.

Als regional tätige Finanzierer haben sich auch die Landesbank und Sparkasse in der Vergangenheit als gründerfreundlich erwiesen. Nach Auskunft von Landesbank-Chef Ulf-Willem Decken hat sein Institut in den zurückliegenden fünf Jahren insgesamt 2200 Existenzgründer mit 600 Millionen gefördert. Darüber hinaus ist die Sparkasse Mitveranstalter des jährlich durchgeführten Start-Up-Wettbewerbs. Für die fünf besten Geschäftspläne wurden in Berlin zuletzt 130 000 Mark zur Verfügung gestellt. Die zahlreichen Business-Wettbewerbe entwickeln sich zusehens zu einer zusätzlichen Geldquelle, die jungen Gründern mit einer zündenden Geschäftsidee den Start in die Selbstständigkeit erleichtert.

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