Wirtschaft : Günter Brinker

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Vorkämpfer gegen die Steuerverschwendungval

Seine Wut werde immer größer, sagt Günter Brinker.Und mit ihr der Drang, gegen die "Misere der deutschen Steuerzahler" anzugehen.Deswegen sagte er zu, als ihn vor kurzem der Bund der Steuerzahler Berlin aufforderte, den Posten als 1.Vorsitzender für weitere vier Jahre zu besetzen - bisher ist der 49jährige genau ein Jahr im Amt. Warum? Mit dieser 14 000 Mitglieder starken Organisation könne er mehr erreichen als via Politik, meint Brinker, der sich als parteilos bezeichnet.Schließlich zähle der Bund mehr Mitglieder als zum Beispiel die Berliner CDU.Und so rotiert der selbständige Unternehmensberater zwischen seinem Job und dem Ehrenposten.Wenn er nicht Klienten betreut, versucht der 49jährige, die Interessen des Steuerzahlers an der Spree über Journalisten, Politiker, Privatleuten oder Verbänden durchzuboxen.Ein mühseliges Unterfangen, aber notwendig: Denn "die Mißstände sind noch schlimmer als ich dachte".Allein in Berlin habe sich die Steuergeldverschwendung im letzten Jahr laut Berliner Rechnungshof auf 790 Mill.DM mehr als verdoppelt, sagt Brinker, der immer eine eindrucksvolle Zahl parat hat, um seine Ausführungen zu verdeutlichen. Brinker bezeichnet sich selbst als jemanden, der von Natur aus ein "Einzelkämpfer" ist.In seinem Elternhaus habe er allerdings eine "soziale Einstellung" mitbekommen.Brinker stammt aus einer "sehr katholischen" Familie in Cloppenburg, mit vier Geschwistern und "einem kleinen Geldbeutel".Wirtschaft und Wirtschaften haben ihn schon früh interessiert.So absolvierte er nach der Schule in Bremen eine Banklehre.Und nachdem er als Soldat zu den Bundeswehr-Fallschirmspringern in Oldenburg abkommandiert wurde, ging er zum Wirtschaftsstudium nach Berlin. 1970 schrieb er sich für Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftspädagogik und Psychologie an der Freien Universität ein und finanzierte sich selbst.Damals habe er "aus Opposition lange Haare getragen", aber schon "mit beiden Füßen auf dem Boden gestanden". Den Weg zurück zur Bank beschritt er nicht lang: Zwar begann Brinker seine berufliche Laufbahn als Schulungsleiter der Volksbank, übernahm aber drei Jahre später 1980 als Selbständiger die Unternehmensberatung und Trainer-Akademie München, die er seitdem betreibt - wenn er nicht in Steuerangelegenheiten unterwegs ist. Seine Freunde würden ihn schon skeptisch von der Seite anschauen und ihm empfehlen, sich "lieber in die Sonne zu legen", statt in Sachen Steuern unterwegs zu sein.Nicht das schlechte Wetter, sondern ein "ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und die Hoffnung, doch noch etwas zu verändern", halten ihn aber bei der Stange.Trotz einiger anonymer Drohungen in letzter Zeit, weil der Steuerzahlerbund laut Brinker Strafverfahren gegen verschiedene Personen veranlaßt hat. Und wenn er nicht arbeitet oder schläft ("sieben Stunden pro Tag"), geht Brinker mit seiner Frau ins Theater, Konzert oder in die Oper.Manchmal meditiert er auch allein im Kloster Frohnau bei buddhistischen Mönchen.Außerdem liest er "immer mehrere Bücher gleichzeitig".Die Titel seiner gegenwärtigen Parallellektüre sind bezeichnend: "Heile Deine Gedanken" und "Der Staat als Beute".

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