Wirtschaft : Güterverkehr: Bahn und Stinnes vereinbaren Logistikallianz

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Bahnchef Hartmut Mehdorn macht bei seinem erst in der vergangenen Woche vorgestellten neuen Konzept für den Güterverkehr Nägel mit Köpfen: Gemeinsam mit dem Logistik-Konzern Stinnes gründet die Bahn die Marketing- und Vertriebsgesellschaft Railog. Die neue Firma soll im ersten Quartal 2001 an den Start gehen und dann dafür sorgen, dass mehr Unternehmen in Deutschland und in Europa bei ihren Transporten auf integrierte Angebote von Lkw und Bahn setzen. Straße und Schiene sollten besser vernetzt werden als bisher, damit vor allem Großabnehmern eine komplette Logistikkette für den Transport von Tür zu Tür angeboten werden kann. Mehdorn und Stinnes-Vorstandschef Wulf Bernotat sehen im kombinierten Verkehr ein wichtiges Wachstumsfeld mit zweistelligen Wachstumsraten pro Jahr.

Railog, ein jeweils zur Hälfte von Stinnes und der Bahn getragenes Unternehmen, wird von Frankfurt aus zunächst mit rund 150 Mitarbeitern und einem Umsatz von 200 Millionen Euro seine Geschäfte aufnehmen. Sie stammen von Kunden, die bislang von der Stinnes-Tochter Schenker und von der DB Cargo bedient werden. Schenker überträgt seine deutschen, österreichischen, italienischen und skandinavischen Bahnaktivitäten an Railog und bringt insgesamt etwa sieben Prozent seines Gesamtumsatzes ein, die Bahntochter DB Cargo etwa drei Prozent seiner Geschäfte. Das Unternehmen werde vom ersten Tag an profitabel arbeiten, versichern Mehdorn und Bernotat. Railog selbst wird keine Lkws oder Züge fahren, sondern die Koordination der gesamten Logistik für den Kunden übernehmen. Die dafür notwendigen Leistungen kauft Railog ein, aber nicht notwendigerweise bei Schenker oder bei der Bahn. "Das Unternehmen agiert völlig eigenständig und unabhängig. Es kauft das jeweils beste Angebot ein", versicherte Bahn-Chef Mehdorn. Im Prinzip trete Railog, sagt Stinnes-Chef Bernotat, in Konkurrenz zum eigenen Unternehmen. "Wir geben Railog ausdrücklich freie Hand."

Railog wendet sich nach den Worten von Mehdorn vor allem an Großkunden in Deutschland und in Europa, etwa aus den Branchen Konsumgüter, Nahrungsmittel, Möbel oder Baustoffe. Dabei will man von den rund 600 Schenker-Stützpunkten in 30 Ländern profitieren. Railog soll dafür sorgen, dass Langstrecken-Transporte auf der Schiene abgewickelt, davor und danach Lkws genutzt und im Bedarfsfall noch andere logistische Leistungen erbracht werden, etwa eine Zwischenlagerung. Mit einem ersten großen Neukunden für Railog stehen Schenker und die Bahn nach den Worten von Bernotat schon in Erfolg versprechenden Verhandlungen. Dieser große Konsumgüteranbieter betreibe europaweit mehrere hundert Großmärkte und kaufe seine Produkte ebenfalls auf dem ganzen Kontinent ein, hieß es. Heute werde ein Großteil der Transporte noch per Lkw geleistet. "Wenn Railog die Logistik übernimmt, wird sich das ändern: Railog sammelt die Waren regional per Lkw ein, stellt daraus Güterzüge zusammen und sorgt später an den Zielpunkten wieder dafür, dass die Großmärkte des Kunden zuverlässig und termingerecht per Lkw versorgt werden", verspricht Bernotat. Das entlaste die Straße, sei ein Beitrag zum Umweltschutz und bringe dem Kunden deutliche Kostenvorteile.

Mit Railog vertiefen Bahn und Stinnes eine schon seit Jahren bestehende Zusammenarbeit. Stinnes hatte Anfang der neunziger Jahre Schenker von der Bahn gekauft und gleichzeitig eine Kooperation mit der Bahn geschlossen. Schenker ist einer der größten Bahnkunden. Das Unternehmen füllt täglich mehrere komplette Züge in eigener Regie mit Gütern. "Allerdings funktioniert die Schnittstelle Lkw/Bahn nicht immer optimal", sagte Bernotat. 1996 hatte Schenker zusammen mit der Bahn den Kombilift-Verkehr gestartet. Dabei werden Lkw-Auflieger ohne Fahrgestell auf spezielle Waggons geladen und über lange Strecken auf der Schiene befördert.

Unterdessen hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bekräftigt, dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn wie zugesagt eine Budgetplanung für 2001 vorzulegen. Diese könne bei der Sitzung am 6. Dezember beschlossen werden, sagte Mehdorn. Über die mittelfristige Finanzplanung bis zum Jahr 2005 solle der Aufsichtsrat dagegen erst bei der Sitzung im März 2001 beschließen. Wegen der laufenden Gespräche mit dem Bund über die Rahmenbedingungen des Schienenverkehrs seien die Daten, die kommende Woche vorgelegt würden, nicht endgültig. Zuvor hatte es in der Presse Berichte gegeben, wonach der Bahn-Vorstand derzeit weder kurz- noch mittelfristig über eine Finanzplanung verfüge.

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