Wirtschaft : Güterverkehr der Bahn lässt Krise hinter sich Konzern kappt weniger Jobs und beendet Kurzarbeit

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Es funkt. Die Krise hat dem Güterverkehr auf der Schiene zugesetzt, die Straße gewann Marktanteile. Nun geht es für die Bahn wieder voran – doch Deutschland bleibt schwierig. Foto: ZB
Es funkt. Die Krise hat dem Güterverkehr auf der Schiene zugesetzt, die Straße gewann Marktanteile. Nun geht es für die Bahn...Foto: ZB

Berlin - Die Deutsche Bahn will in ihrer Gütersparte weniger Arbeitsplätze abbauen als bislang geplant. Statt 3900 sollen es nun noch 3500 sein, sagte Karl-Friedrich Rausch, Vorstand des unter DB Schenker firmierenden Bereichs, am Montag in Berlin. Die schlimmste Phase der Krise hat das Unternehmen nach seiner Einschätzung hinter sich. „Wir sind durch die Krise durch, jetzt geht es eher bergauf als bergab“, befand er. Aus der Kurzarbeit wolle man aussteigen. Das Geschäftsniveau vor der Krise werde man in der Logistik aber nicht vor 2012 erreichen, bei der Güterbahn sogar erst wieder 2014, sagte der Manager.

1000 Stellen hat die Bahn bereits abgebaut, in erster Linie bei der Güterbahn DB Schenker Rail. Alle Betroffenen haben Rausch zufolge einen neuen Arbeitsplatz an einer anderen Stelle im Konzern bekommen – beispielsweise als Fahrdienstleiter. Auch für die 2500 Beschäftigten, für die es „Anpassungsbedarf“ gebe, wie Rausch sagte, soll eine solche Lösung gefunden werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei der Bahn aufgrund eines Abkommens mit den Gewerkschaften ausgeschlossen.

Die tiefe Wirtschaftskrise hat die Bahn hart getroffen, weil ihre wichtigsten Kunden aus der Auto-, Stahl- und Chemieindustrie besonders unter dem weltweiten Einbruch der Nachfrage zu leiden hatten. Die Güterbahn machte im vergangenen Jahr einen Vorsteuerverlust von 189 Millionen Euro und verlor Aufträge an den Straßenverkehr. Dies wurde durch Gewinne in der Sparte Schenker Logistics ausgeglichen. Hier organisiert die Bahn weltweit Transporte per Flugzeug, Schiff oder Lkw. In diesem Jahr soll die Güterbahn wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Sie ist der größte Anbieter im europäischen Schienenverkehr mit einem Marktanteil von 25 Prozent.

In den ersten vier Monaten 2009 hat der Umsatz im gesamten Güterverkehr der Bahn wieder um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Geplant ist für das Gesamtjahr nur ein Plus von fünf Prozent – Rausch begründete dies mit den Transportpreisen, die angesichts der Krise unter Druck sind. Von den 40 000 Güterwagen, die die Bahn am Tiefpunkt der Krise mangels Aufträgen aufs Abstellgleis schieben musste, stehen noch 15 000 dort. Knapp die Hälfte davon wird nicht mehr gebraucht und soll verschrottet werden. Nur die Achsen will die Bahn weiter verwenden.

Dies ist auch der Grund, weshalb der Jobabbau geringer ausfällt als geplant. Die Bahn muss derzeit auch ihre Güterwagen häufiger als bislang auf Schäden an den Achsen untersuchen lassen – neben den ICE-Zügen. Dies ist die Konsequenz eines folgenschweren Eisenbahnunfalls in Italien im vergangenen Jahr, der auf einen Achsbruch zurückgeht. 12 500 neue Achsen müssen daher eingebaut werden. Entsprechend ist mehr Personal nötig, die Kurzarbeit in den Werkstätten ist bereits beendet. Carsten Brönstrup

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