Wirtschaft : Güterverkehr leidet unter Engstirnigkeit

FRANKFURT (MAIN) (ro).Wenn die Qualität und das Management der europäischen Eisenbahnen besser wären, könnte bedeutend mehr Güterverkehr auf die Schiene gehoben werden."Wir hätten 1997 noch viel mehr Güter befördern können, wenn es diese Probleme nicht gäbe", betonte Werner Maywald, Chef von Kombiverkehr, am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz.Das Unternehmen wickelt den kombinierten Verkehr von Lkw und Bahn ab, getragen wird Kombiverkehr von Spediteuren und von der Deutschen Bahn AG.Hierzulande beklagt Maywald die Pünktlichkeitsquote der Züge und kundenunfreundliche Fahrpläne.Noch immer dominiere nationales Denken: "Die Bahnen denken nur bis zur Grenze anstatt durchlaufende Züge im Kopf zu haben." Angesichts dieser Probleme fordert Kombiverkehr ein europaweites Management, auf bestimmten Strecken Priorität und Exklusivität für Güterzüge gegenüber dem Personenregionalverkehr und geringere Preise für die Nutzung der Schiene.

Als Schritte in die richtige Richtung betrachtet Maywald das neue Trassenpreissystem der Bahn, das endlich entsprechend der beförderten Menge auch Rabatte gewährt.Auch die geplante Fusion der Cargo-Sparten der DB AG und der niederländischen Bahn ist für ihn ein richtiger Entschluß.Damit könnten Fahrzeiten reduziert werden: So braucht heute ein Güterzug von Duisburg nach Rotterdam acht bis zehn Stunden, weil die Lok fünf Mal gewechselt werden muß.Mit einem InterCity erreicht man sein Ziel in rund zweieinhalb Stunden, mit dem Auto in etwa zwei Stunden.

Auch bei den Preisen für Güterverkehr auf der Schiene muß sich nach Ansicht von Maywald einiges tun, weil der ohnehin schon gewaltige Wettbewerbsdruck durch den Lkw ab dem 1.Juli noch weiter zunehmen wird.Dann wird die sogenannte Kabotage in der EU abgeschafft, und jeder Spediteur kann europaweit Aufträge annehmen.1997 konnte Kombiverkehr den Umsatz um sechs Prozent auf 565 Mill.DM steigern.Von Januar bis Mai gab es bei den Sendungen ein weiteres Plus von 4,8 Prozent.

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