Güterverkehr : Straße schlägt Schiene

Die Deutsche Bahn sieht erste Anzeichen einer Erholung im Transport- und Logistikgeschäft. Dem Konzern macht aber der Verdrängungswettbewerb zwischen Schiene, Straße und Binnenschifffahrt zu schaffen.

Eberhard Krummheuer
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Schweres Geschäft. Die Bahn leidet unter einem harten Preiskampf, der vor allem vom Lkw ausgeht. Alles in allem werden in diesem...dpa

Berlin - „Die Preisspirale dreht sich immer schneller, sie zieht den gesamten Markt nach unten“, warnte der neue Logistik-Vorstand des Bahnkonzerns, Karl-Friedrich Rausch. Die Bahn befürchtet einen Umsatzrückgang im Schienengüterverkehr um rund ein Viertel, das entspricht einer Einbuße von einer Milliarde Euro. Es werde immer schwieriger, Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. „Es gibt Lkw-Unternehmer, die fahren inzwischen ohne jede Marge für den Gegenwert ihrer Kosten“, sagte Rausch, „da können wir nicht mithalten“.

Die Schiene tue sich wegen der hohen Fixkosten schwer: „Wenn ich eine Million Umsatz verliere, bleibe ich noch auf 800 000 Euro Kosten sitzen“, sagte Rausch dem „Handelsblatt“. „Wir sind in einen Absturz geraten, wie wir ihn noch nicht erlebt haben.“ Vor 2012 oder 2013 sei kaum mit dem Transportvolumen des Boomjahres 2007 zu rechnen. Deshalb seien „erhebliche Anpassungsleistungen“ beim Personal und bei den Strukturen notwendig. So werden derzeit Schichten eingestellt und Transporte aus mehreren Anlagen an einem Ort gebündelt.

Mittelfristig soll das heutige Produktionssystem revolutioniert werden, um die Güterbahn schlanker aufzustellen. Bisher operieren drei Systeme unabhängig voneinander: Einzelwagen werden über Rangierbahnhöfe zu ihrem Ziel geleitet. „Ganzzüge“ fahren ohne Rangieren komplett vom Versender zum Empfänger. Und Züge des kombinierten Verkehrs befördern Container, Lkw-Aufbauten und komplette Lkw. Das alles soll zu einem einheitlichen System verzahnt werden.

„Wir wollen mit weniger Zügen und weniger Aufwand mehr Leistung bringen, also produktiver und effizienter werden“, sagte Rausch. Etwa 4000 Arbeitsplätze würden bei Schenker Rail auf Dauer nicht mehr gebraucht. „Viele, die heute in Kurzarbeit sind, haben bislang erwartet, dass nach dieser Phase wieder Vollbeschäftigung ist. Doch viele dieser Arbeitsplätze wird es überhaupt nicht mehr geben“, sagte der Bahn-Manager.

Die Gewerkschaft Transnet hatte ihm vorgeworfen, eine Politik des Kahlschlages zu betreiben und die Chancen der Güterbahn durch Abbau von Personal und Infrastrukturen zu schmälern. Rausch weist diesen Vorwurf von sich. Die Güterbahn werde sich keinesfalls flächendeckend aus dünn besiedelten Gebieten zurückziehen. Festhalten will er auch am teuren Einzelwagen-Verkehr. Allerdings müsse dieses Geschäft zukunftsfähig gestaltet werden. Denkbar sei, über den Verbund mit DB Schenker Logistics „die letzte Meile vom und zum Kunden auf der Straße zu fahren“ und die Fracht dann in den verbliebenen Güterbahnhöfen auf den Zug zu bringen.

Künftig würden Schienenangebote in den Logistiksystemen von Schenker eine größere Rolle als bisher spielen. „Unsere Stärke ist es, dass wir alle Transportlösungen der Verkehrsträger aus einer Hand anbieten – zumindest in Europa können wir alles.“ DB Schenker versuche, Logistiksparte und Güterbahn zum Gesamtangebot zu verbinden. Diese Integration war indes in den letzten Jahren nur zögerlich vorangekommen. HB

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