Wirtschaft : Güterzug nach Moskau

Deutsche und russische Bahn gründen gemeinsame Logistikfirma für schnelleren Warentransport

Bernd Hops

Moskau - Die Deutsche Bahn will ihr Geschäft in Osteuropa und Asien deutlich ausbauen und geht dafür eine enge Kooperation mit der russischen Staatsbahn RZD ein. Am Donnerstag unterschrieben Konzernchef Hartmut Mehdorn und sein Amtskollege Wladimir Jakunin in Moskau die Verträge für ein Joint-Venture, an dem beide Unternehmen jeweils 50 Prozent halten. Dadurch soll vor allem der Containertransport von Europa nach Russland und die übrigen Länder der ehemaligen Sowjetunion vereinfacht werden. „Russland ist eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt und ein wichtiges Bindeglied nach Asien“, sagte Mehdorn. Der Verkehr solle schon in diesem Jahr aufgenommen werden.

RZD-Präsident Jakunin sagte: „Mit dem Joint-Venture wird es uns gelingen, zusätzliches Frachtvolumen zwischen Westeuropa, Russland und China auf die Schiene zu bringen.“ Laut Mehdorn werden auch mit der chinesischen Staatsbahn Gespräche geführt. „Wir sind zuversichtlich, in den nächsten zwölf Monaten die nächsten Schritte realisieren zu können“, sagte der deutsche Bahnchef.

Der Warenhandel zwischen Europa, Russland und China ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Insgesamt geht es mittlerweile um ein Volumen von fast 400 Millionen Tonnen. Und der Trend hat sich in diesem Jahr fortgesetzt. „Der Anteil der Bahn ist aber noch nicht stark genug“, sagte Mehdorn. So hat der Bahntransport am deutsch-russischen Warenaustausch nur einen Anteil von zwei Prozent. Dabei ist die Schiene auf langen Strecken besonders kostengünstig. Die Zollformalitäten sind aber aufwendig, und verschiedene Spurbreiten sowie technische Anforderungen bremsen die Züge. Ein Lkw braucht von Berlin nach Moskau nach Angaben der Deutschen Bahn heute vier bis fünf Tage. Ein Zug ist dagegen mindestens zehn Tage unterwegs. In Zukunft sollen es drei Tage sein. Um dieses Ziel zu erreichen, haben DB und RZD zusammen mit der polnischen PKP und der weißrussischen BC bereits am vergangenen Montag ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet.

Jetzt will die Bahn mit dem deutsch- russischen Unternehmen, das seinen Sitz in Moskau und ein Grundkapital von fast einer Million Euro haben wird, mehr Waren auf die Schiene bringen. 34 000 Container sollen es im ersten Jahr sein. „Wir haben das Potenzial, das in den nächsten Jahren zu verdoppeln und zu verdreifachen“, sagte Bahnchef Mehdorn. Außerdem will man dem Schiff Konkurrenz beim Transport von China Richtung Westen machen. Ein Zug ist zwar etwas teurer, aber bis zu doppelt so schnell. Bereits vor einigen Jahren wurde ein Probezug auf der Strecke gefahren. Die bürokratischen Hürden für einen wettbewerbsfähigen Dauerbetrieb waren aber bisher zu hoch. Bernd Hops

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