Wirtschaft : Gurken saufen ab

Landwirte leiden unter den Sommerunwettern.

Katharina Wiechers (dapd)

Lübbenau - Barfuß steht Bauer Reinhard Mich auf seinem Gurkenfeld bei Klein Radden in der Niederlausitz. Er greift zwischen die Pflanzen und hält eine Handvoll triefend nasser Erde hoch. „Alles voller Modder“, stellt er fest. Die starken Unwetter der vergangenen Tage haben den Bauern im Süden Brandenburgs schwer zugesetzt. Auch die Spreewaldgurken von Reinhard Mich stehen teils immer noch unter Wasser. Das wird sich negativ auf den Ertrag auswirken, wie er sagt.

Durch den Schlamm komme kein Sauerstoff mehr an die niedrigen Gurkenpflanzen, erklärt Mich. „Die Wurzeln sterben ab und die Pflanzen welken.“ Tatsächlich sind auf seinem Feld schon etliche gelbe Blätter zu sehen, zwischen den langen Reihen sinken die Schuhe tief in den Matsch. Mich hat seine Gummischlappen deshalb schon ausgezogen. „Ich bleib ja doch nur stecken.“ Vor einer Woche habe es stellenweise 75 Liter pro Quadratmeter geregnet, erzählt der Landwirt. „So was haben wir hier noch nie gehabt.“ Der ohnehin schon feuchte Boden konnte das Wasser nicht mehr aufnehmen, so dass es abfloss und sich an den niedrigsten Stellen ansammelte. An einer solchen Stelle hat Bauer Mich ein Gurkenfeld.

Er rechnet damit, dass etwa 20 bis 30 Prozent seiner Felder beschädigt sind. Insgesamt hat Mich auf 40 Hektar Einlegegurken angebaut. Brandenburgweit wachsen die Spreewaldgurken, die spätestens seit dem Film „Good Bye Lenin“ auch bundesweit bekannt sind, nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums auf etwa 900 Hektar. Mich hat die Hoffnung auf einen passablen Ertrag noch nicht ganz aufgegeben. Schließlich hat er gerade erst mit der Ernte begonnen, die noch bis September geht. „Manche Pflanzen erholen sich vielleicht noch“, sagt er. Verluste hat Mich aber auf jeden Fall: Da seine Erntehelfer erst wieder auf die Felder fahren können, wenn diese halbwegs trocken sind, werden die Gurken zu groß und bringen weniger Ertrag. „Die können wir nur noch als Schnipselware verkaufen“, sagt der Landwirt. Beliebter und besser zu verkaufen seien die kleinen Spreewaldgurken, die im Glas oder in der Dose angeboten werden.

Nicht nur die Gurkenbauern, auch die Vieh- und Getreidebauern im Brandenburger Süden haben unter den extremen Sommerunwettern gelitten. Ställe liefen voll Wasser, auf einigen Weiden stand den Kühen das Wasser bis zum Bauch, wie der Sprecher des Brandenburger Landesbauernverbandes, Holger Brantsch, sagt. Auch Getreidefelder standen unter Wasser. Erst Anfang Juli veröffentlichte der Verband eine Prognose: Die Bauern rechneten mit zwei Millionen Tonnen Getreideernte. „Das muss nun vermutlich nach unten korrigiert werden“, sagt Brantsch. Katharina Wiechers (dapd)

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