• Gustav Adolf Horn wird der zweite Mann des DIW - er stellt sich gegen den Trend und fordert höhere Löhne

Wirtschaft : Gustav Adolf Horn wird der zweite Mann des DIW - er stellt sich gegen den Trend und fordert höhere Löhne

Jobst-Hinrich Wiskow

Der neue Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat sein Amt noch nicht angetreten. Aber schon hat Klaus F. Zimmermann in den Augen der Ökonomen-Zunft Deutschlands seine erste Niederlage erlitten.

Gustav Adolf Horn wird Leiter der Konjunkturabteilung im DIW - und damit der wichtigste Mann im DIW hinter dem Präsidenten. Horn hatte die Abteilung schon amtierend geführt. So stellte er als Vertreter des DIW das Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute im Oktober vor. Wie sein Vorgänger Heiner Flassbeck machte er deutlich, dass sich seine Auffassung von konjunkturpolitischen Empfehlungen grundlegend von denen der herrschenden Meinung seiner Zunft unterscheidet. So warb er für höhere Löhne, die ihm zufolge den Aufschwung einer Volkswirtschaft vergrößern. Zudem forderte er die Europäische Zentralbank auf, den Leitzins zu senken. Horn war seit 1990 einer der engsten Mitarbeiter Flassbecks, der im Herbst 1998 aus der Wissenschaft in die Politik wechselte und Staatssekretär im Bundesfinanzministerium von Oskar Lafontaine (SPD) wurde. Nach dem Rücktritt Lafontaines im März dieses Jahres musste auch Flassbeck gehen, wollte aber nicht ins DIW zurückkehren.

Die Ernennung Horns will Zimmermann indes nicht als Niederlage verstanden wissen. "Auf Vorschlag des neuen Präsidenten bestimmte das Kuratorium Horn zum Leiter der Abteilung Konjunktur", heißt es in der Pressemitteilung des DIW. Wie aus Kuratoriumskreisen zu hören ist, entschied das Gremium einstimmig. Zudem stand Horn schon seit Wochen ganz oben auf der Wunschliste des neuen DIW-Chefs. Wieso also sollte das eine Niederlage für Zimmermann sein?

"Alle die, die einen Reformruck erwartet haben, sind jetzt enttäuscht", berichten Insider, die anonym bleiben wollen. Dagegen fühlen sich langjährige Mitarbeiter durch die Personalie Horn bestätigt. Die Furcht vor dem Umbau des Instituts war groß. "Was der da vorhat, ist eine Revolution von oben", war im Betriebsrat über Zimmermann zu hören. Der neue Präsident genießt einen Ruf als Dynamiker - und sei deshalb nicht mit offenen Armen empfangen worden, wie DIW-Mitarbeiter sagen.

Die Entscheidung für einen Bewerber von außen wäre ein Signal gewesen, dass der Umbau nun losgeht. Aber dieses Signal blieb aus. Dabei hat das DIW Reformen nötig, wie die Kontrolleure vom Wissenschaftsrat ermittelten. Sie überprüfen die Arbeit der von Bund und Ländern finanzierten Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen. Der Wissenschaftsrat verlangt, dass das DIW sich enger mit den Hochschulen verzahnt und die Qualität seiner Forschung verbessert. Deswegen sollen neben dem Präsidenten die wichtigsten Abteilungsleiter als Universitätsprofessoren lehren. Nun erfüllt mit Horn ausgerechnet der Leiter der berühmtesten Abteilung diese Voraussetzung nicht. "Das ist eine traditionalistische Lösung gegen die Intention des Wissenschaftsrats", kommentiert ein Ökonom. Allerdings räumt er ein, dass der Wissenschaftsrat keine Sanktionsmöglichkeiten gegen das DIW hat. Auf Grund der Entscheidung für Horn sei aber bei der nächsten Überprüfung mit einem zusätzlichen Minuszeichen zu rechnen. Vom Urteil hängt ab, ob das DIW mit öffentlichen Mitteln auf bisherigem Niveau rechnen kann.

Der 45-jährige Horn hat laut eigenem Lebenslauf zwar im vergangenen Jahr eine Habilitationsschrift abgegeben, allerdings sechs Jahre nach seiner Promotion ihm selbst zufolge "eine erste, vorläufige Fassung". An seiner Disseration arbeitete er elf Jahre lang. Die Doktorprüfung legte er bei Jürgen Kromphardt ab, seit diesem Jahr einer der so genannten Fünf Weisen im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung.

Derweil ist zu hören, die Bestimmung Horns gebe dem neuen Präsidenten nun Freiraum für größere Umbaupläne. Schon steht fest, dass Zimmermann einen Vizepräsidenten erhält und einen Geschäftsführer im Vorstandsrang. Von einer Niederlage will man in seinem Umkreis nichts wissen. Man müsse das Gesamtpaket betrachten, das der Neue schnürt - unabhängig von Horns Ernennung.

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