Wirtschaft : Gut behandelt, aber teuer bezahlt

Die Stiftung Warentest hat private Krankenversicherungen geprüft. Die Unterschiede sind gewaltig

Stefan Kaiser

Berlin - Die Stiftung Warentest warnt angesichts der anstehenden Gesundheitsreform davor, übereilt eine private Krankenversicherung abzuschließen. „Aus Beitragsgesichtspunkten sollte man auf keinen Fall kurzfristig wechseln“, sagte Cornelia Noack, Projektleiterin Finanzdienstleistungen, am Dienstag in Berlin. Die Privatkassen selbst rechneten mit Beitragserhöhungen von bis zu 30 Prozent. „Der Schritt zur privaten Krankenversicherung muss wohl überlegt sein“, sagte auch Abteilungsleiter Stephan Kühnlenz. Ab einem bestimmten Einkommen sei der Eintritt leicht möglich – ein Wechsel zu einem anderen Anbieter aber schwierig, die Rückkehr zur gesetzlichen Versicherung „quasi unmöglich“.

Die Stiftung Warentest hat 344 Angebote privater Krankenversicherungen für Beamte, Angestellte und Selbstständige getestet. Das Fazit: Die Privaten bieten zwar eine komfortable Absicherung mit vielen Leistungen, billiger sind sie aber kaum. „Für die allermeisten Kunden ist der private Versicherungsschutz auf die Dauer deutlich teurer als der Schutz bei einer gesetzlichen Krankenkasse“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“. Preiswerter seien die Privaten auf Dauer nur für junge, gesunde Männer und Beamte.

Die getesteten Tarife mussten mindestens die Leistungen der gesetzlichen Versicherung abdecken. Billigangebote, die Lücken in der Absicherung aufweisen, wurden nicht einbezogen. Bewertet wurden das aktuelle Preis-Leistungsverhältnis sowie die Beitragsentwicklung für Neukunden in den letzten acht Jahren.

Die Unterschiede zwischen den Angeboten seien groß, betonte Tenhagen. Die Qualitätsurteile reichten von „sehr gut“ bis „mangelhaft“. Auch die Beitragshöhe unterscheidet sich mitunter gewaltig. Während eine 35-jährige Angestellte bei der Huk-Coburg 393 Euro pro Monat zahlt, sind es bei dem mit „mangelhaft“ bewerteten Tarif der Inter-Versicherung 667 Euro. In der Regel erstattet der Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags zurück.

Beamte kommen wegen der staatlichen Beihilfe zwar deutlich günstiger weg, die Unterschiede beim Beitrag sind aber auch hier riesig. Männer zahlen bei der Concordia 121 Euro im Monat, bei der DKV mit 234 Euro fast das Doppelte. Einen Gesamtsieger kürte die Stiftung Warentest nicht. Die Tarife der Huk-Coburg gehörten aber in allen sechs getesteten Gruppen zu den besten.

Frauen zahlen bei allen Anbietern deutlich mehr als Männer. Grund ist vor allem die höhere Lebenserwartung. Die Experten der Stiftung Warentest raten selbstständigen und angestellten Frauen deshalb eher von der privaten Krankenversicherung ab. Sie stelle „kein attraktives Modell“ dar, sagte Tenhagen.

Für junge Männer können die Privaten dagegen eine günstige Alternative sein. Voraussetzung: Die Männer sind gesund und verdienen gut. Im Alter müssen auch sie mit deutlich steigenden Beiträgen rechnen – und zwar unabhängig davon, wie hoch die Rente ist. „Junge Leute sollten in jedem Fall die Beitragsersparnis fürs Alter zurücklegen“, forderte deshalb Experte Kühnlenz. Sonst könne es schwer werden, die hohen Beiträge im Alter zu zahlen. Diese sind nach Angaben der Stiftung mindestens dreimal so hoch wie in jungen Jahren.

Auch für Familien könne eine private Versicherung sehr teuer werden. Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind Ehepartner und Kinder nicht mitversichert. Jedes Familienmitglied muss einen eigenen Beitrag zahlen.

Ein Manko der Privaten könnte im Zuge der Gesundheitsreform allerdings wegfallen: Nach dem derzeitigen Gesetzesentwurf sollen Kunden ab 2008 leichter den Versicherer wechseln und einen Teil ihrer Altersrückstellungen mitnehmen können. Bisher bleiben die Rückstellungen beim Versicherer, was den Wechsel der Versicherung erheblich erschwert. Die Verbraucherschützer der Stiftung Warentest werten auch die geplante Einführung eines Basistarifs als Vorteil. Allerdings, so befürchtet Kühnlenz, könnten die gesetzlichen Vorgaben für den Basistarif dazu führen, dass aus der bisherigen Teilung in zwei Klassen von Patienten eine Dreiteilung wird, wenn sich die Ärzte aussuchen könnten, ob sie im Basistarif versicherte Patienten behandeln wollen oder nicht.

Die Stiftung Warentest bietet individuelle Analysen zum Versicherungsschutz an. Die erste Teilnahme kostet 18 Euro. Formulare gibt es im Internet unter www.test.de oder unter 030-26312244.

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