Wirtschaft : Gut beraten – Reiseverkehrsleuten stehen viele Wege offen

Berit Schmidt (dpa)
Fernweh. Nach der Ausbildung arbeiten viele einige Zeit als Animateur im Ausland. Foto: dpa Foto: dpa
Fernweh. Nach der Ausbildung arbeiten viele einige Zeit als Animateur im Ausland. Foto: dpaFoto: dpa

In welchen Flieger man steigen muss, um an sein Traumziel zu kommen, wissen Reiseverkehrskaufleute. Auch bei Fragen zur Hotelwahl, möglichen Aktivitäten vor Ort und der nationalen Küche helfen sie weiter. „Sie organisieren die schönste Zeit des Jahres - den Urlaub“, sagt Hans Doldi, Vizepräsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin. Spaß am Verreisen allein reicht für den Job allerdings nicht.

Angehende Reiseverkehrsleute müssen gut aufgepasst haben im Erdkundeunterricht und die geografischen und klimatischen Gegebenheiten der Reiseziele genau kennen, die sie Kunden anbieten. „Wichtig ist, dass man dem Kunden ein konkretes Bild von den Urlaubsorten vermitteln kann“, sagt Doldi. Für Bewerber um eine Lehrstelle gibt es keine festgelegten schulischen Voraussetzung, sagt Monika Kühnel von der Industrie- und Handelskammer in Berlin. In der Praxis würden aber oft Realschüler und Abiturienten genommen. „Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen sich auch, wenn die Englischkenntnisse gut sind“, sagt Doldi.

Neben den Schulnoten zählen vor allem das Auftreten und der Charakter. Da Reiseverkehrskaufleute viel Kundenkontakt haben, müssten Bewerber aufgeschlossen sein und sich sehr schnell umstellen können, sagt Kühnel. Zum einen kommen ältere Kunden mit gehobenen Ansprüchen, und im nächsten Moment sitzen junge Menschen vor einem, die spontan eine Billigreise machen wollen. „Außerdem gibt es auch Kunden, die nicht wissen, was sie wollen. Da muss man Ausdauer haben, den Kunden gut zu beraten.“ Natürlich sollten die Auszubildenden auch Lust am Reisen haben. „Nach der Ausbildung steht das Kennenlernen von Produkten, Hotels, Kulturen und Ländern bei Fortbildungsreisen auf jeden Fall auf dem Programm“, sagt Doldi.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber auch um ein halbes Jahr verkürzt werden. Lehrlinge werden wechselweise im Betrieb und in der Berufsschule auf ihren Beruf vorbereitet. Auf dem Stundenplan stehen Arbeits- und Personalrecht, Umwelt- und Gesundheitsschutz, Arbeitsorganisation, Datenschutz und Marketing. „Die Auszubildenden müssen lernen, sorgfältig zu planen und zu kalkulieren“, sagt Doldi. In ihrer Abschlussprüfung müssen die Azubis einen schriftlichen Test bestehen. Geprüft werden Touristik, Reiseverkehr, kaufmännische Steuerung und Kontrolle sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Darauf folgt eine mündliche Prüfung.

„Die Reisebranche ist durch die Umstellung auf Onlinebuchungen in Veränderung“, sagt Kühnel. Viele traditionelle Reisebüros müssten sich verkleinern oder sogar schließen. Karrierechancen gibt es laut Doldi aber immer noch. Arbeit böten Fluggesellschaften, Hotels oder Mietwagenfirmen sowie Tourismusämter. Die Hochschulreife eröffnet die Chance auf einen Bachelor im Bereich Touristik. Auch Weiterbildungen zum Betriebswirt bieten sich an. Berit Schmidt (dpa)

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