Wirtschaft : Gut gelaunt und knallhart an die Spitze

Chrysler-Vize Bernhard wird Chef von Mercedes-Benz/Smart-Chef Renschler soll bei Mitsubishi Eckrodt ablösen

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Berlin (alf). Er sieht wirklich gut aus. So gut, dass sich das „Handelsblatt“ an James Bond erinnert und von „Pierce Brosnan der Autoindustrie“ schwärmt. Wolfgang Bernhard ist jung (43 Jahre), schlank und sportlich, meistens gut drauf, präsent, zielorientiert – und knallhart. Er hat bei dem drittgrößten Autohersteller der USA, der Chrysler Group, Milliarden gespart, 26000 Stellen gestrichen und sechs Fabriken geschlossen. Das hat gereicht für den nun vorerst letzten Karrieresprung: Am heutigen Mittwoch nominiert der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler den Wirtschaftsingenieur zum nächsten Mercedes-Chef. Im April 2005, wenn der dann 65-jährige Jürgen Hubbert in den Ruhestand geht, wird Bernhard Boss einer der bekanntesten Marken der Welt. Mit 44 Jahren. Bernhards Chef und Förderer Jürgen Schrempp über den Jungstar der internationalen Autoszene: „Er hat gezeigt, dass er ein durchsetzungsstarker Manager mit hoher Sensibilität für Mitarbeiter und Märkte ist.“

Bevor der Allgäuer vor knapp 20 Jahren bei Mercedes anfing, studierte er an der TH Darmstadt (Wirtschaftsingenieur), an der Columbia Universität in New York (Master of Business Administration/MBA) und promovierte in Frankfurt (Main) über internationale Wechselkursrisiken. Danach, Anfang der 90er, arbeitete Bernhard als Berater für McKinsey – und half unter anderem Mercedes-Benz bei Sparmaßnahmen und Produktivitätsprogrammen. Das überzeugte beide Seiten, und so fing Bernhard bei Mercedes an, war einige Jahre für die hochprofitable S-Klasse zuständig und fungierte als Geschäftsführer der Mercedes-Tochter AMG, die einfache Serienautos nach individuellen Wünschen aufmotzt. Binnen anderthalb Jahren verdoppelte Bernhard Umsatz und Gewinn bei AMG – und qualifizierte sich damit für eine besondere Mission: die Sanierung der Chrysler Group oder, so sehen das manche, zu einer Operation zur Rettung des Konzernchefs Schrempp.

Der begann im November 2000 seinen Marschbefehl mit den Worten, „Bernhard, ich hab’ da eine Aufgabe für Sie.“ Chrysler hatte kurz zuvor einen schweren Verlust gemeldet und drohte abzustürzen. Schrempp zog die Reißleine und schickte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Dieter Zetsche als neuen Chef und Bernhard als dessen Stellvertreter nach Detroit. Der Vertriebsmann Zetsche sollte die Modellpalette entstauben, Bernhard Produktion, Produktivität und Kosten verbessern. „Innerhalb von drei Jahren haben wir 2,7 Milliarden Mark reingeholt, das ist brutal gut gelaufen“, sagte Bernhard der „Zeit“ schon vor knapp zwei Jahren. Er sieht wohl seinen Teil der Mission erfüllt – doch leider haben die enormen Rabatte auf dem US–Markt Chrysler bis heute nicht aus der Krise fahren lassen. Am Donnerstag wird Schrempp bei der Vorstellung der Bilanz bekannt geben, ob Chrysler im vergangenen Jahr aus den roten Zahlen gekommen ist. Neben Bernhard wird der Aufsichtsrat am Mittwoch den Chef der Daimler-Chrysler Services, Bodo Uebber, als künftigen Finanzvorstand nominieren. Uebber folgt Manfred Gentz, der auch in den Ruhestand geht.

Auch bei der Daimler-Chrysler-Beteiligung Mitsubishi (37 Prozent) steht offenbar ein Wechsel an der Spitze an. Verschiedene Medien berichteten am Dienstag, dass Mitsubishi-Chef Rolf Eckrodt (61), dessen Vertrag am 31. Dezember ausläuft, vom jetzigen Smart-Chef Andreas Renschler (45) abgelöst werde. Der frühere Adtranz-Chef Eckrodt ist ein Vertrauter Schrempps und war von diesem 2001 mit einem ähnlichen Sanierungsauftrag nach Tokio geschickt worden wie das Duo Zetsche/Bernhard nach Detroit.

Wegen der Probleme auf dem US-Markt hatte Eckrodt bereits vor Monaten eingeräumt, dass sich die Sanierung verzögert und der Verlust im laufenden Geschäftsjahr höher ausfällt als befürchtet. Das Minus könnte mit 745 Millionen Euro etwa doppelt so hoch ausfallen, wie ursprünglich erwartet. Den Berichten zufolge plant Mitsubishi nun eine Zusammenlegung von Produktionsstandorten, Stellenkürzungen und eine Verlagerung der Produktion des Geländewagens Pajero nach China.

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