Wirtschaft : Gut gepoltert ist noch nicht gewonnen

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Von Bernd Hops

Es gibt Menschen, die können einfach nicht ruhig schlafen, wenn sie nur auf Platz zwei gelandet sind. Sie versuchen es immer wieder, auf das Siegertreppchen zu kommen, bis es endlich klappt – oder bis sie sich überheben. Diese Gefahr droht jetzt auch Larry Ellison, einem der größten Selbstdarsteller der HighTech-Branche.

Der Chef des US-Softwarekonzerns Oracle will den kleineren Konkurrenten Peoplesoft übernehmen. Dass dessen Management einen Verkauf kategorisch ausschließt, hat einen einfachen Grund. Oracle will mehr als fünf Milliarden Dollar für Peoplesoft auf den Tisch legen. Und zwar nicht, weil die Produkte des Konkurrenten so innovativ sind oder zu denen von Oracle passen, sondern nur, um die Peoplesoft-Kunden anschließend mit Oracle-Software zu versorgen. Peoplesoft selber will Ellison dicht machen. Aus seiner Sicht könnte das sinnvoll sein. Denn die Aktienkurse der Hersteller von Betriebssoftware sind zurzeit sehr niedrig. Ellison würde sich daher einen Konkurrenten vergleichsweise billig vom Halse schaffen und zum Marktführer SAP aufschließen. Theoretisch. Aber Ellison wird sich dabei verrechnen. Wie will er Peoplesoft-Kunden überzeugen, in Zukunft tatsächlich auf Oracle zu setzen? Die Einschätzung an den Börsen dürfte richtig sein: Während es für die Oracle-Aktie nach der Ankündigung der Übernahme bergab ging, stieg der SAP-Kurs an. Denn viele Peoplesoft-Kunden werden sich schon jetzt nach Alternativen umgucken. Da wird der Peoplesoft-Marktanteil neu verteilt werden. Und Kunden, die gerade von einem kleineren Anbieter enttäuscht sind, suchen einen sicheren Hafen und gehen zum Marktführer. Das ist aber SAP und nicht Oracle. Deshalb verhält sich das deutsche Unternehmen gelassen. SAP kann darauf vertrauen, dass ihm das Poltern Ellisons neue Kunden bringen wird. Kostenlos, während Oracle für die Übernahme Milliarden zahlen müsste.

Mit seinem aggressiven Vorgehen schadet Ellison nicht seinem Hauptgegner – sondern dem Ansehen von Oracle, dem Übernahmekandidaten Peoplesoft und vor allem sich selbst. Auch Siegertypen werde irgendwann lächerlich – besonders dann, wenn ein Sieg nicht viel bringt.

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