Wirtschaft : Gut gerechnet

Jeder Geschäftsvorgang muss belegt sein. Buchhaltungskurse helfen, den Überblick zu behalten

Viola Zech
Alles muss stimmen. Ob Wochenendkurs oder Vollzeit-Lehrgang, es gibt viele Möglichkeiten, sich in Sachen Buchhaltung auf dem Laufenden zu halten. Es bringt nicht nur Ordnung in die eigenen Bücher, sondern kann auch die Karriere befördern. Foto: dpa
Alles muss stimmen. Ob Wochenendkurs oder Vollzeit-Lehrgang, es gibt viele Möglichkeiten, sich in Sachen Buchhaltung auf dem...Foto: dpa-tmn

Ob Großkonzern oder Ein-Mann-Betrieb – kein Unternehmen kommt um eine ordnungsgemäße Buchführung herum, denn jeder Geschäftsvorgang muss genauestens belegt und aufgezeichnet werden, so verlangt es in Deutschland das Gesetz. Daraus ergibt sich für qualifiziertes Personal im Bereich Buchführung ein breites Spektrum an Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und auch das Weiterbildungsangebot in diesem Bereich ist vielfältig: Von der Vollzeit-Weiterbildung zum geprüften Bilanzbuchhalter, dem Seminar für Wiedereinsteiger in den Beruf bis zum Volkshochschulkurs für Kleinunternehmer – für alle Berufsgruppen gibt es den passende Lehrgang.

FÜR PROFIS

Der Beruf des Buchhalters ist nicht geschützt. Buchhalter haben in der Regel eine kaufmännische Ausbildung hinter sich oder ein BWL-Studium und arbeiten in Festanstellung oder selbstständig. Um als selbstständiger Buchhalter tätig sein zu können, ist der Nachweis einer dreijährigen Berufserfahrung nötig. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, durch eine Weiterbildung mit abschließender Prüfung den Titel „geprüfter Bilanzbuchhalter“ zu erlangen. „Diese Weiterbildung ist sehr anspruchsvoll, aber auch von den Unternehmen sehr geschätzt“, sagt Daniela Zeller, Pressesprecherin des Bundesverband selbstständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter. Wer die Prüfung am Ende erfolgreich besteht, ist hoch qualifiziert und hat gute Berufsaussichten auf dem Arbeitsmarkt, sowohl als Angestellter als auch als Selbstständigerändiger. Als zweites Standbein bietet sich für Buchhalter beziehungsweise Bilanzbuchhalter auch die Beratungstätigkeit in einem Lohnsteuerhilfeverein an.

Eine Weiterbildung zum „Bilanzbuchhalter (IHK)“ in Vollzeit ist beispielsweise beim Bildungsträger ITW möglich. Voraussetzung sind eine kaufmännische Ausbildung und Arbeitserfahrung im Rechnungswesen. Auch Akademiker mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Studienabschluss werden zugelassen sowie Quereinsteiger ohne Ausbildung und Studium, sofern sie eine mindestens sechsjährige Berufserfahrung im Bereich Rechnungswesen nachweisen können.

Ruth Vatter, Lehrgangsleiterin beim ITW bestätigt die guten Berufsaussichten für Absolventen: „Wer die Prüfung besteht und auch durch seine Persönlichkeit überzeugen kann, wird anschließend mit hundertprozentiger Sicherheit einen Job finden.“ Fehlzeiten könne man sich jedoch nicht leisten. „Die Teilnehmer müssen bereit sein, Gelerntes in Eigenregie zu festigen“, so Ruth Vatter.

FÜR WIEDER- UND NEUEINSTEIGER

Wer die Zulassung zum Kurs "Bilanzbuchhalter (IHK)" noch nicht erfüllt oder sein Wissen bloß wieder auffrischen möchte, kann beim ITW die Weiterbildung „Fachkraft Buchhaltung/Lohnabrechnung Xpert“ belegen. Absolventen dieses Kurses werden besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen gesucht, da die Ausbildung sehr praxisorientiert angelegt ist. Es werden EDV-Kenntnisse und der Umgang mit dem Buchungsprogramm Lexware vermittelt. Auch hier sind die Berufsaussichten gut. „Nach dem Kurs habe ich sofort einen Job in einem Buchhaltungs- und Bilanzierungsbüro für mittelständische Unternehmen gefunden“, berichtet die ehemalige Teilnehmerin Martina Samulowitz. Das Besondere an dieser Weiterbildung, die auch in Vollzeit verläuft, ist das Xpert Business System, das sich aus einzelnen Modulen zusammen setzt und europaweit anerkannt ist. „Mit diesem System kann man sich bis zum Business Master und zum Zertifikat ‚Xpert Finanzbuchalter' hocharbeiten“, sagt Ruth Vatter. Auch Interessenten ohne Vorkenntnisse werden zugelassen, sofern sie in einem persönlichen Gespräch überzeugen. „Eine Affinität für Zahlen und klare Strukturen muss auf jeden Fall vorhanden sein“, erklärt Ruth Vatter.

Der Kurs „Finanzbuchhaltung kompakt“ des Bildungsträgers BBW Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg findet berufsbegleitend statt. Er richtet sich an eine Klientel, „die ihre Kenntnisse in diesem Bereich wieder auffrischen und nach einer Pause in den Beruf zurückkehren oder aber bereits im Bereich Buchhaltung tätig ist und ein Zertifikat erwerben möchte“, berichtet Projektleiterin Katrin Meinhold. Dieser Kurs beinhaltet das Training in den beiden Buchungsprogrammen Lexware und Datev.

Auch die Industrie- und Handelskammer Berlin bietet Buchführungskurse an. „Der Grundkurs Buchführung ist berufsbegleitend, fängt wirklich bei Null an und erklärt Schritt für Schritt die Grundlagen der Buchführung“, sagt Grit Markert von der IHK Berlin. „Viele Teilnehmer bringen jedoch Vorkenntnisse mit, arbeiten bereits in diesem Bereich, möchten aber Abläufe, die sie bisher vielleicht aus dem Bauch heraus gemacht haben, genauer durchschauen und ein fundiertes Wissen erlangen“, so Grit Markert.

Der Kurs schließt nach regelmäßiger Teilnahme und einem bestandenen Test mit einem IHK-Zertifikat ab. „Die große Nachfrage aus der Wirtschaft nach diesem Kurs seit über 13 Jahren beweist, dass das Zertifikat sehr gut anerkannt ist“, sagt Grit Markert. Auf den Grundkurs baut der Aufbaukurs Buchführung auf, an den sich der Vorbereitungslehrgang auf die IHK-Prüfung zum Bilanzbuchhalter anschließen kann.

KLEINBETRIEBE UND SELBSTSTÄNDIGE

Auch Kleinbetriebe und Selbstständigeändige sind zu einer ordnungsgemäßen Buchführung verpflichtet. Gerade bei kleinen Unternehmen liegt die Buchhaltung häufig in der Hand des Chefs oder eines Familienmitglieds. An diese Gruppe richtet sich der Wochenendkurs „Einfache Finanzbuchhaltung für Kleinbetriebe“ der Volkshochschule Neukölln. „Die Teilnehmer lernen hier die so genannte ‚einfache Buchführung' und die grundlegenden gesetzlichen Regelungen, zum Beispiel das Mitführen eines Kassenbuchs, kennen“, erklärt Bernd Müller von der Volkshochschule Neukölln.

Tiefer in die Materie der Buchführung steigt der Volkshochschulkurs „Xpert Business – Finanzbuchführung“ ein und widmet sich dem Sachgebiet der doppelten Buchführung, die bei GmbH und Aktiengesellschaften sowie ab einer bestimmten Unternehmensgröße verlangt wird. Der nach dem Xpert Business System zertifizierte Kurs ist unter anderem auch für Selbstständigeändige und Freiberufler gedacht, die die Buchführung für das eigene Unternehmen selbst machen möchten. „Doch auch viele Unternehmer, die eigentlich ihre Buchhaltung von einem Angestellten oder Steuerberater machen lassen, besuchen diesen Kurs, um die Abläufe besser zu verstehen und um sich mit dem Steuerberater fachkundig verständigen zu können“, erklärt Roland Pipiale, Volkswirt und Kursleiter an den Berliner Volkshochschulen. Der Lehrgang kann zweiwöchig, als Wochenend- oder Abendkurs besucht werden.

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