Wirtschaft : Gut verdienen in der Rezession

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Von Dieter Fockenbrock

Die Aktionäre der Deutschen Telekom können aufatmen. Ihr Unternehmen macht wieder Gewinn, sogar mehr als erwartet. Endlich. Nach fast zwei Jahren tiefroter Zahlen. Die neue Führung von KaiUwe Ricke zahlt sich aus. Die ersten Quartalsergebnisse unter Rickes Verantwortung markieren einen Wendepunkt – und das nicht nur für diesen Konzern. Fast alle großen Unternehmen melden steigende Gewinne. Auch die Zahlen von Bayer, Daimler-Chrysler und anderen Konzernen können sich sehen lassen. Börsenflaute hin, Rezession her – es wird kräftig verdient. Soweit die gute Nachricht.

Schlecht daran ist aber die Begründung. Weder Ricke noch seine Kollegen können davon berichten, dass die Kunden ihnen ihre Dienstleistungen oder Produkte aus den Händen reißen. Im Gegenteil. Selbst die Auto-verrückten Amerikaner sind kein Garant mehr für schöne Geschäftszahlen europäischer Firmen. Statt dessen heißt es lapidar auf Pressekonferenzen und in den Verlautbarungen, dass „die Optimierungsprogramme greifen“, dass die „Restrukturierung Früchte trägt“. Kurzum: Investitionen wurden gestrichen oder ins Ausland verlagert, die Kosten gesenkt, was das Zeug hielt – und das meist zu Lasten der Beschäftigten. Rickes Telekom hat innerhalb eines Jahres 3000 Stellen gestrichen. Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Von den 250 000 Beschäftigen arbeiten immer weniger in Deutschland.

So werden die deutschen Unternehmen gestrafft, gestärkt und gesund in den nächsten Aufschwung gehen. Das ist tröstlich – wenn der Aufschwung kommt. Denn erst dann werden die Unternehmen nicht nur Gewinne ausweisen, die sie aus Einsparungen erzielen. Dann werden sie selber wachsen.

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