Wirtschaft : Gute Bilder für wenig Geld

Digitale Kameras in ordentlicher Qualität sind heute schon ab 100 Euro zu haben

Fritz Niemann

Von einer Konsumflaute spüren die Hersteller von Digitalkameras nichts. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland fast fünf Millionen Geräte abgesetzt – damit lagen die Verkaufszahlen digitaler Fotoapparate erstmals höher als die von analogen. Und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht: „Die Absatzzahlen werden sich in diesem Jahr noch einmal um 40 Prozent steigern“, sagt Marketingexpertin Marion Knoche von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Der Markt ist heiß umkämpft: Neben den etablierten Herstellern wie Nikon oder Olympus drängen zunehmend Produzenten von Unterhaltungselektronik wie Sony oder Panasonic auf den Markt. Die günstigsten Geräte sind inzwischen schon ab 100 Euro zu haben. Selbst die digitalen Spiegelreflexkameras, die vor wenigen Jahren noch fast unerschwinglich waren, sind unter die Preisgrenze von 2000 Euro gesunken. „Spiegelreflex hat den Vorteil, dass die Objektive gewechselt werden können. Dafür sind die Geräte unhandlicher und wesentlich teurer“, sagt Andreas Jordan, Technikexperte beim „Foto-Magazin“.

Die früher gerne gestellte Frage: „Welches Auto fährst du?“ scheint mittlerweile durch die Frage „Wie viel Pixel hast du?“ abgelöst worden zu sein. Pixel sind die Bildpunkte, aus denen ein digitales Foto zusammengesetzt wird. Hatten Digitalkameras früherer Generationen zwei Megapixel, sind heute bis zu acht Megapixel möglich. „Für ein Foto in Postkartengröße ist eine Kamera mit zwei Mega-Pixel auf jeden Fall ausreichend“, sagt Jordan. Nur wer Bildausschnitte am Computer bearbeiten oder große Abzüge seiner Bilder machen möchte, sollte Kameras mit vier oder mehr Megapixel wählen.

Ebenso wichtig wie die Pixelzahl ist die Optik. Kameras mit Zoomobjektiv sind teurer, dafür steigt die Flexibilität bei der Wahl des Bildausschnitts. Unterschieden wird zwischen optischen und digitalen Zooms, wobei letztere eine deutliche Verschlechterung der Bildqualität verursachen, weil hier die Bildvergrößerung durch den eingebauten Chip nur simuliert wird.

Die Stiftung Warentest testet alle zwei Monate neue Geräte. Testsieger des aktuellen Tests mit der Note „sehr gut“ wurde die Sucherkamera Olympus Camedia 8080 Wide Zoom für 955 Euro. Die Tester lobten bei der Olympus vor allem die gute Bildqualität und das lichtstarke Objektiv. Doch ein Gerät zum schnellen Knipsen und in die Tasche stecken ist die Olympus mit einem Gewicht von fast 800 Gramm nicht.

Die billigste Kamera im Test, die Kodak Easy-Share CX7300 für 129 Euro, erzielte mit einem „knapp befriedigend“ das schwächste Ergebnis. Wegen des mäßigen Objektivs waren die Nahaufnahmen unscharf und das Gerät bietet keine Möglichkeit, eigene Einstellungen vorzunehmen. Mit der Canon Power- Shot A310 für 187 Euro und der Olympus Camedia 160 für 146 Euro erreichten aber zwei Geräte der Einsteigerklasse ein „gutes“ Testergebnis. Abstriche müssen Fotofans bei der Ausstattung machen. Akku und Speicherkarte werden bei den Billiggeräten meist nicht mitgeliefert – der Kunde muss diese Kosten also zum Kaufpreis hinzuaddieren.

Viele Geräte bieten mehr oder weniger nützliche Zusatzfunktionen. Praktisch ist ein TV-Ausgang, mit dem die Kamera direkt an einen Fernseher angeschlossen werden kann, um die Bilder anzuschauen. Mit anderen Kameras können neben Fotos auch kurze Videosequenzen oder sogar Ton aufgenommen werden. Von No- Name-Geräten raten Experten eher ab. „Die Technik ist noch zu kompliziert“, sagt Fotoexperte Jordan. Daher sei ein Auslaufmodell eines Markenherstellers besser als ein No-Name-Gerät.

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