• Gute Drehbuchautoren sind gesuchte Leute, aber in einem freien Beruf Fuß zu fassen, ist keine leichte Sache

Wirtschaft : Gute Drehbuchautoren sind gesuchte Leute, aber in einem freien Beruf Fuß zu fassen, ist keine leichte Sache

Susanna Nieder

Der Einstieg in einen Beruf ohne vorgegebene Strukturen ist nie ganz einfach. Während ein Mediziner oder Jurist seine Laufbahn meist in festgelegten Schritten beginnt, muss sich ein Drehbuchautor seinen Weg selbst suchen. Für ihn gibt es weder Stellen, auf die er sich bewerben, noch einen Kanon von Qualifikationen, an dem er sich orientieren kann. Umso wichtiger ist es, die Sache professionell anzugehen.

Der Prozess der Professionalisierung fängt im Kopf des Autors an. Vor allem muss er sich klar machen, dass das Drehbuchschreiben keine Kunstform ist, sondern ein Beruf, der ihm neben Phantasie und Kreativität hauptsächlich Disziplin, Flexibilität und Hartnäckigkeit abverlangt. "Wer davon leben will, sollte sich von der Vorstellung verabschieden, er könne mit einem genialen Wurf Karriere machen", sagt der Leiter der Masterschool Drehbuch, Oliver Schütte. Der Beruf müsse "entmystifiziert" werden. Einsteigern empfiehlt er, ihre Karriere zu planen, Erfahrungen zu sammeln, keine Angst vor Ideenklau zu haben, Angebote wie die virtuelle Stoffbörse Pitchpoint wahrzunehmen und sich keinesfalls ins stille Kämmerlein zurück zu ziehen. Fernsehserien findet er für den Anfang nicht die schlechteste Möglichkeit, um Routine zu bekommen und seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auch Alan Ball hat schließlich Sitcoms geschrieben, bevor er das Oscar-gekrönte Buch von "American Beauty" zu Papier brachte.

Gute Autoren sind gesucht, denn die Nachfrage nach Fiktion ist groß. Stefan Ottenbruch, Redakteur bei SAT 1, schätzt, dass auf dem deutschen Markt im TV-Bereich pro Jahr rund 900 Stunden Programm produziert werden, davon ein Drittel 90-minütige TV Movies und zwei Drittel Episoden. Entsprechend hat auch die Nachwuchsförderung in den letzten Jahren zugenommen. Workshops und Seminare werden von Drehbuchwerkstätten und Hochschulen, von der Masterschool, von Fernsehsendern und selbst von Volkshochschulen angeboten. Wer sich beteiligt, hat nicht nur die Chance, inhaltlich dazu zu lernen, sondern kann wertvolle Kontakte knüpfen, ohne die er (oder sie) sich viel schwerer tut, einen Fuß in die Tür zu bringen.

Natürlich kann man ein Drehbuch im Alleingang schreiben, um es anschließend anzubieten. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass man es auch verkaufen wird, ist gering. Fertige Manuskripte sind schon allein deshalb unbeliebt, weil es viel Zeit kostet, sie zu lesen. Und im allgemeinen lohnt der Aufwand nicht: "Ein fertiges, filmreifes Drehbuch ist mir noch nie angeboten worden", sagt der Produzent Stefan Arndt lapidar. "Von etwa 60 Projekten, an denen X-filme creative pool zurzeit arbeitet, sind uns etwa vier von außen angetragen worden - nicht als Drehbücher, sondern als Ideen."

Ein komplettes Drehbuch erst per Exposé anzubieten, ist eine leserfreundlichere Alternative, doch auch von dieser Variante sind Produzenten selten begeistert. "Ein Produzent muss mit voller Überzeugung hinter einem Projekt stehen. Das kann er nur, wenn er von vorneherein in die Entwicklung eingebunden ist", erklärt Regina Ziegler. In ihrer Filmproduktionsfirma beschäftigt sich eine ganze Abteilung mit Stoffentwicklung, und wie alle Produzenten und Redakteure ist sie immer an neuen Talenten interessiert. Wichtig ist für Einsteiger, ihre Projekte nicht wahllos anzubieten und schon gar nicht dasselbe Projekt mehreren Produzenten anzutragen. "Lassen Sie sich die Profile von Produktionsfirmen kommen und sprechen Sie gezielt die Richtigen an", rät Regina Ziegler. Die Platzierung am Markt ist ein Service, den Development-Agenturen wie Scripthouse anbieten, Einschätzung und Überarbeitung von Drehbüchern ein anderer. Firmen wie diese fungieren als Vermittler zwischen Autoren und Produzenten in Sachen Drehbuchentwicklung. Seit letztem Jahr macht Scripthouse auch eigene Projektentwicklungen - und sucht gute Leute.

Neben der Bereitschaft, Anregungen von Redakteur, Produzent oder Regisseur aufzunehmen und umzusetzen, sollten Drehbuchautoren eine relativ hohe Frustrationsschwelle haben. Das Renommé des Autors - und im Kinobereich auch die Bezahlung - sind derzeit in Deutschland noch nicht befriedigend. Während das Honorar für ein 90-minütiges TV-Movie zwischen 40 000 DM und 50 000 DM allein für die Erstausstrahlung liegt, bringt ein Kinofilm nicht viel mehr, macht aber erheblich mehr Arbeit.

Lange nicht jedes Projekt wird umgesetzt, und auch nicht jeder Produzent kann Kritik auf den Punkt bringen - und wer glaubt, dass die erste Fassung seines Buches verfilmt wird, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit daneben. "Etwa nach der neunten Fassung wird es zwar meistens unproduktiv. Aber sieben können es schon werden", lautet die allgemeine Einschätzung. In jedem Fall sollten die Autoren ihr Handwerk gelernt haben: "Autodidaktisch schaffen es nur ganz wenige", sagt Schütte.

Auf sehr konkrete Weise plant Wolfgang Pfeiffer, der Produzent von Filmen wie Romuald Karmarkars "Warheads", der nach mehrjähriger Abwesenheit seinen Wiedereinstieg in den deutschen Markt vorbereitet, die Gründung eines Autorenpools: Seit einem Jahr bildet er selbst Autoren aus. Als einzige Voraussetzungen verlangt er Talent und die Bereitschaft, sich aktiv mit dem Drehbuchschreiben auseinander zu setzen.Buchtipp: Julian Friedmann: Unternehmen Drehbuch. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1999. 302 Seiten, 29,90 DM.

Wolfgang Pfeiffer unter t 80 90 79 60.

Weitere Infos unter

www.pitchpoint.org , www.scripthouse.de , www.firststeps.de

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