Wirtschaft : Gute Stimmung auf der Hauptversammlung - Jahresbeginn positiv

pet

Christa Schwarz bekommt glänzende Augen, wenn sie über ihre Aktien spricht. Extra aus München ist die Hausfrau am Donnerstag zur Hauptversammlung von Schering angereist, um zu hören, wie sich "ihr" Unternehmen entwickelt hat. Die Münchnerin hält 500 Papiere des Berliner Pharmakonzerns. Seit gestern überlegt sie, zuzukaufen. "Schering wird noch zulegen", da ist sich Christa Schwarz ganz sicher. Auch der in Vorbereitung auf den Börsengang in den USA geplante Aktiensplitt (1:3) sei ein gutes Zeichen. "Damit zeigt Schering Selbstvertrauen", begründete die Kleinaktionärin.

Wie sie, testierten auch die übrigen Aktionäre dem Pharmakonzern ein hervorragendes Ergebnis. Der Aktienkurs sei von Oktober bis Mitte April um 50 Prozent gestiegen. Am Donnerstag lag der Wert der Aktie zur Kasse bei 153,70 Euro, nach einem Schlusskurs von 154,75 Euro am Vortag. Auch über eine Dividendenerhöhung können sich die Aktionäre freuen: Sie erhalten 1,50 Euro (nach 1,35 Euro) je Aktie sowie einen Bonus von einem Euro.

Auch das erste Quartal ist nach Unternehmensangaben gut angelaufen: Am Dienstag will der Vorstandsvorsitzende Giuseppe Vita bei der Vorlage der Zahlen "erfreuliche Ergebnisse" vermelden. Vor allem das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon habe kräftig zugelegt. Vita bekräftigte, dass der Konzern auch weiterhin überdurchschnittlich wachsen wolle: Bis zum Jahr 2005 will Schering den Umsatz von derzeit auf 5,5 Milliarden Euro steigern. Für 2000 erwartet Vita ein zweistelliges Umsatzwachstum auf vier Milliarden Mark, nach 3,7 Milliarden Euro (rund 7,2 Milliarden Mark) im Vorjahr. Der Gruppengewinn solle zweistellig auf über 300 Millionen Euro gesteigert werden. 1999 lag er bei 272 Millionen Euro.

Der Gefahr einer feindlichen Übernahme will Vita durch eine kontinuierliche Steigerung des Aktienkurses begegnen. "Wir werden den Aktienkurs weiter pflegen", sagte der Konzernchef. Aus diesem Grund will Schering auch in diesem Jahr eigene Aktien zurückkaufen. Sollte es trotzdem zu einem feindlichen Übernahmeangebot kommen, werde sich der Vorstand "objektiv und neutral" verhalten, sagte Vita.

Finanzchef Klaus Pohle verteidigte die Schering-Investitionen in die so genannten grüne Gentechnik: Das Engagement beim Pflanzenschutzunternehmen Aventis CropScience werde ein "besonderer Erfolg" werden. Schering hält dort 24 Prozent. Der Anteil werde von Analysten mit zwei bis 2,5 Milliarden Euro bewertet. Pohle sagte, es werde überlegt, ob neben dem bereits angekündigten Börsengang eines ausgegliederten Bioinformatik-Unternehmens "noch andere Bereiche, die nicht zum Kernbereich gehören, an die Börse gebracht werden". Schering wolle aber weiterhin auf Nischenmärkte wie dem für Multiple-Sklerose-Medikamente fokussieren. Aus einem Patenstreit mit dem US-Unternehmen Biogen - es stellt das Konkurrenzprodukt Avonex her - um das Medikament Betaferon erwartet Schering noch in diesem Jahr eine Entschädigung in dreistelliger Millionenhöhe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben