Wirtschaft : Guter Kompromiß für den Bau

MARGARITA CHIARI

Auf westdeutschen Baustellen kehrt wieder Frieden ein, der drohende Streik ist abgewendet.Das ist ein gutes Ergebnis der nun abgeschlossenen Tarifverhandlungen.Denn nach den Drohungen, Vertagungen und immer neuen Forderungen der vergangenen Wochen hatten es nur noch wenige Beobachter für möglich gehalten, daß ein Kompromiß ohne Einschaltung des Schlichters erreicht werden kann.Vor allem die Arbeitgeber hatten mit der einseitigen Kündigung des Weihnachtsgeldes kurz vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde vor zwei Wochen erheblich zu einer Verschlechterung der Großwetterlage beigetragen.Ein Streik, das mußte ihnen aber wohl bewußt gewesen sein, hätte der Bauwirtschaft endgültig das Wasser abgegraben.

Um höhere Löhne geht es auf deutschen Baustellen längst nicht mehr.Es geht um die Sicherung der Arbeitsplätze.Gewerkschaften und Arbeitgeber tun gut daran, nicht gegeneinander, sondern miteinander nach Lösungen zu suchen, um der Konkurrenz aus dem Ausland zu begegnen.Mit der Anhebung des Mindestlohnes auf das Niveau des niedrigsten Tariflohnes ist man dem ein Stück näher gekommen.Wird er für allgemeingültig erklärt, gilt er auch für ausländische Wettbewerber - und deutsche Betriebe haben weniger Anlaß, aus dem Tarifgefüge auszuscheren.Sicher ist es keine Garantie, aber doch ein Schritt, "Wild-West" am Bau etwas einzudämmen.

Ein Schatten bleibt: Noch beharrt die Gewerkschaft auf ihrer Forderung nach einer gesetzlichen Schlechtwettergeldregelung.Dabei zeigt das geltende Tarifmodell, bei dem Arbeitgeber und Beschäftigte sich die Kosten für den Winterausfall teilen, langsam Wirkung.Doch vielleicht verhilft die allgemeine Entspannung dazu, bei dem Thema noch einmal zur Friedenspfeife zu greifen.

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