Wirtschaft : Guter Start für Airbus

Milliardenaufträge zu Beginn der Luftfahrtmesse in Paris / Deutsch-französischer Hubschrauber geplant

Juliane Schäuble

Berlin - Die weltgrößte Luftfahrtschau Le Bourget in Paris hat für Airbus mit milliardenschweren Aufträgen erfolgreich begonnen. Die Fluggesellschaft Qatar Airways unterzeichnete am Montag den Kaufvertrag über 80 neue A-350-Langstreckenjets im Katalogwert von 11,8 Milliarden Euro. Bisher hatte es hierfür nur eine Absichtserklärung gegeben. Zudem bestellte die Fluglinie drei Superjumbos vom Typ A 380. Acht weitere A-380-Bestellungen zum Listenpreis von 1,9 Milliarden Euro gingen von Emirates Airways ein, wie der europäische Flugzeugbauer mitteilte. Das schnell wachsende Unternehmen ist nach Umsatz und Passagierzahlen die größte Fluglinie im Nahen Osten.Die Zahl der von Emirates bestellten A 380 steigt damit auf 55.

Zusätzlich kündigte mit US Airways eine Fluglinie aus der Heimat des Dauerrivalen Boeing an, 22 A 350 ordern zu wollen – neben 70 weiteren Airbus-Jets. Insgesamt gab Airbus vorerst Aufträge über 275 Flugzeuge im Volumen von insgesamt rund 35 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) bekannt. Boeing veröffentlichte am ersten Messetag dagegen nur Bestellungen über 4,5 Milliarden Dollar für 46 Flugzeuge. Voraussichtlich werden beide auf der einwöchigen Schau noch weitere Aufträge bekannt geben.

Die Großaufträge sind gute Nachrichten für Airbus, die das angeschlagene Unternehmen dringend braucht. Unter anderem durch Lieferverzögerungen beim A 380 ist Airbus in die Krise geraten. Eine Folge war, dass die Europäer im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2000 mit 824 Bestellungen weniger als Boeing (1050) an Land zog. In diesem Jahr steht Boeing bislang erneut besser da: Bis Ende Mai verbuchte der US-Konzern mit mehr als 400 Bestellungen gut doppelt so viele wie Airbus.

Mit dem Zukunftsprojekt A 350 will Airbus dem Boeing-Verkaufsschlager 787-Dreamliner Konkurrenz machen. Allerdings soll der Langstreckenflieger erstmals 2013 ausgeliefert werden, der erste Dreamliner geht dagegen schon im Mai 2008 an die Kunden. Vor Beginn der Messe in Le Bourget hatte Boeing für seinen Dreamliner knapp 600 Aufträge in den Büchern, Airbus für sein Konkurrenzmodell erst 13 Festbestellungen.

Airbus-Verkaufschef John Leahy geht angesichts der Auftragsflut davon aus, dass der Flugzeugbauer bis zum Ende des Branchentreffens mehr als 280 Bestellungen in seinen Büchern haben wird. Bei der letzten Schau in Le Bourget vor zwei Jahren waren es 280 Bestellungen einschließlich Absichtserklärungen.

Das Branchentreffen im Norden von Paris ist traditionell durch den harten Wettbewerb zwischen der europäischen und der amerikanischen Luftfahrtindustrie gekennzeichnet. In diesem Jahr wird die Rivalität jedoch durch den Umstand abgemildert, dass sich die Branche derzeit in einer Boomphase befindet. Auch die rund 2000 Aussteller von Le Bourget erwarten in diesem Jahr mehr Besucher als je zuvor: Die Veranstalter rechnen mit 400 000 Gästen bis zum Sonntag.

Unterdessen bestätigte das Verteidigungsministerium, dass Deutschland und Frankreich ein gemeinsames Hubschrauber-Projekt mit dem Arbeitstitel „Heavy Transport Helicopter“ (HTH) realisieren. Mit dem schweren Transport-Hubschrauber solle eine Bedarfslücke zwischen den Hubschraubertypen CH 53 und NH 90 sowie dem 2011 zur Auslieferung stehenden Airbus-Transportflugzeug A 400 M geschlossen werden, sagte ein Sprecher zu einem entsprechenden Bericht des „Handelsblatts“.

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