Wirtschaft : Guter Start für die neue T-Aktie

FRANKFURT (MAIN) (rob/HB/rtr). Die Aktie der Deutschen Telekom ist am ersten Handelstag nach der Mammut-Kapitalerhöhung ordentlich gestartet. Der mit großer Spannung erwartete Eröffnungskurs lag im Xetra-Handel bei 40 Euro. Das entsprach einem Anstieg um 1,27 Prozent gegenüber dem Schlußkurs am Freitag von 39,50 Euro, der zugleich auch der Zuteilungspreis war. Privatanleger, die einen Rabatt von zwei Euro erhielten, erzielten einen Kursgewinn von 7,47 Prozent. Händler sprachen von hohen Umsätzen.

Der außerordentlich starke Handel mit der T-Aktie wurde zurückgeführt auf Gewinnmitnahmen von Privatanlegern. Auf der anderen Seite wurde von Käufen verschiedener institutioneller Investoren berichtet. Das Rätselraten über den plötzlichen Rückschlag bei der Schlußauktion am Freitag ging auf dem Börsenparkett weiter: Während einzelne Akteure von Kursdruck sprachen, der indirekt von den Bezugsrechten hergerührt habe, betonten andere das Interesse der Konsortialbanken an einem niedrigeren Kurs. Auf dem vor der Schlußauktion gesehenen Niveau von 41,68 Euro hätten zu wenige T-Aktien bei Institutionellen plaziert werden können, da ihre Kurslimits für die Zeichnung überschritten worden wären.

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel sieht keinen Anlaß zur Untersuchung des plötzlichen Preisrutsches. Man sehe keine Anzeichen für eine Marktmanipulation oder für Insidergeschäfte, sagte ein Sprecher. Die Telekom will die auffälligen Kursschwankungen in jüngster Zeit untersuchen. Das Kurspotential der T-Aktie sehen Börsianer als begrenzt an, sofern es zu keinen Akquisitionen komme. Einerseits hätten Großanleger teilweise noch Kaufbedarf wegen der Portofolio-Gewichtung der Telekom. Andererseits sei die T-Aktie verglichen mit France Télécom oder British Telecom verhältnismäßig hoch bewertet. Bei dem von den federführenden Banken errechneten fairen Preis von 45 bis 46 Euro liege ein Deckel, hieß es weiter.

Die neue T-Aktie sei die erste wirkliche "Euro-Aktie" betonte der Vorstandschef der Telekom, Ron Sommer, in Frankfurt. Der Konzern sei nicht nur die Gesellschaft mit der höchsten Zahl an Privataktionären in Deutschland, sondern auch weltweit das Unternehmen mit den meisten Anlegern außerhalb seines Heimatlandes. Bundesfinanzminister Hans Eichel sprach von einer "Kulturrevolution", wenn ein auf dem Weg zur Vollprivatisierung befindliches Staatsunternehmen den Spitzenplatz bei der Marktkapitalisierung in Deutschland einnehme und weltweit auf Platz 28 rangiere. Es gehöre zu den Zielen der Bundesregierung, Anteile an öffentlichen Unternehmen breit zu streuen. Dies sei durch die Emission gelungen.

Knapp elf Mrd. Euro bringt der zweite Börsengang in die Kassen der Telekom. Sommer ließ sich auch am Montag nicht entlocken, welche konkrete Vorhaben Europas größter Telekommunikationskonzern mit dem Geld nur wirklich hat. Nach dem gescheiterten Fusionsversuch mit Telecom Italia hält die Telekom nach anderen potentiellen Übernahmekandidaten Ausschau. "Ein Schmunzeln auf den Lippen werde Sie mir nicht verübeln", sagte Sommer unter Hinweis auf allein 500 000 private Anleger aus Italien, die Telekom-Aktien gezeichnet hätten. So unbeliebt könne die Telekom wohl nicht sein. Außerhalb Deutschlands zeigten die Italiener in der Euro-Zone das weitaus größte Interesse an der T-Aktie. Spanien folgte mit 50 000 Privatanlegern auf Rang zwei.

Die Telekom habe einen beträchlichen Anteil daran, daß sich die Börsenlandschaft grundlegend gewandelt habe, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, Reto Francioni. Francioni sagte, ein Vergleich von Telekom und Neuer Markt weise eine ganze Reihe von Parallelen auf. Die hervorragende Performance der T-Aktie wie die der zahlreichen jungen Telekommunikationsunternehmen lehre vor allem eins: "Wettbewerb ist kein Nullsummenspiel, sondern eine Win-Win-Situation."

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