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Gutes Jahr, schlechtes Ende : Arbeitslosigkeit steigt im Dezember stärker als üblich

03.01.2013 10:49 Uhrvon

Die schwächelnde Konjunktur hinterlässt auf dem Arbeitsmarkt ihre Spuren. Zwar sei ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember normal, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit. Ende 2012 sei die Steigerung aber heftiger ausgefallen als in den vergangenen Jahren.

Die Arbeitsmarktstatistik für 2012 weist so wenige Arbeitslose aus wie seit 20 Jahren nicht, und doch gibt es erste Warnsignale. Die Arbeitslosenzahlen stiegen im letzten Monat des Jahres stärker als üblich, die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen ging zurück. Die Bundesagentur für Arbeit stelle sich „auf ein schwieriges Jahr 2013“ ein, sagte Behördenchef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag in Nürnberg. Zwar rechnen Experten nicht mit einem Einbruch auf dem Jobmarkt, allerdings dürfte der europaweite Abschwung auch hierzulande für einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit sorgen.
Knapp 2,9 Millionen Menschen waren im Jahresschnitt 2012 arbeitslos gemeldet, davon knapp zwei Millionen Hartz-IV-Empfänger, wie die Bundesagentur mitteilte.

Das waren 79 000 weniger als im Vorjahr. Zuzüglich der Menschen, die an „Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik“ teilnahmen, etwa Weiterbildung oder Umschulung, galten damit gut 3,89 Millionen Menschen hierzulande als unterbeschäftigt – 259 000 weniger als 2011. Im europäischen Vergleich steht Deutschland damit gut da. Auch deshalb suchen immer mehr Griechen, Spanier und Italiener hierzulande nach Arbeit. Im Euro-Raum erwartet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young wegen der anhaltenden Krise 2013 einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 20 Millionen.
Allerdings nahm auch in Deutschland im Dezember die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um 60 000 auf 2,84 Millionen zu. „Spuren der langsameren konjunkturellen Gangart“ seien erkennbar, sagte Weise. Ein Anstieg in den kalten Monaten ist zwar üblich, doch legte die Zahl der Menschen ohne Job auch nach Bereinigung um diese saisonalen Effekte zu. „Die Zeichen der Eintrübung sind nicht zu übersehen“, räumte auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein.
In Berlin sank die Zahl der Menschen ohne Job im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 7672 auf 205231. „Das ist die niedrigste Arbeitslosenzahl in einem Dezember seit 1993“, sagte der Chef der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Dieter Wagon am Donnerstag. Verglichen mit dem November ergab sich jedoch trotz der Saisonbereinigung ein Plus von 1000 Arbeitslosen.
Die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger ging im Dezember um gut 12 000 auf 163 305 zurück. Insgesamt gibt es in der Hauptstadt deutlich mehr Hartz-IV-Empfänger, doch wenn sie kleine Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich in der Ausbildung befinden, werden sie nicht als arbeitslos gezählt.

Für 2013 erwartet Wagon eine „Stagnation“am Arbeitsmarkt, verwies aber auf die Probleme der Stadt: Berlin kämpft mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und vielen Langzeitarbeitslosen. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) hatte im Juli ein Arbeitsmarktprogramm vorgestellt, das diese Probleme angehen soll. Dabei soll künftig stärker auf systematische Qualifizierungen und Coachings zur Begleitung der Arbeitsaufnahme gesetzt werden, um möglichst viele Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Besonders die derzeit rund 70 000 Langzeitarbeitslosen in der Stadt sollen individuelle Unterstützung bei der Arbeitssuche erhalten. Zudem will Kolat die Berufsorientierung in den Schulen ausweiten, um die Jugendarbeitslosigkeit zu senken.
Der DGB kritisierte am Donnerstag die starke Zunahme prekärer Jobs in Berlin. „42 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in der Stadt sind atypisch, also etwa befristete oder Teilzeitjobs“, sagte der Sprecher für den Bezirk Berlin-Brandenburg, Dieter Pienkny. Hinzu kämen die zahlreichen Minijobs. „Im Handel kommt auf einen regulären Job ein 450-Euro-Job“, kritisierte er.
Der Gewerkschaftsbund unterstützt die Pläne der Arbeitssenatorin, appelliert aber in erster Linie an die Unternehmen in Berlin. ,„Die Firmen müssen dringend für zukunftsträchtige Jobs und Ausbildungsplätze sorgen“, sagte Pienkny. In der Hauptstadt würden mindestens 100 000 Industriearbeitsplätze fehlen. Für Hochqualifizierte sei Berlin wegen seines geringen Lohnniveaus immer noch zu wenig attraktiv.

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