Wirtschaft : Gutes tun für die Elite

Der Berliner Unternehmer Lothar Wilhelmy wird zum Preisstifter

Stefan Kaiser

Berlin - Wenn Lothar Wilhelmy den Grund für sein gesellschaftliches Engagement erklären will, greift er auf eine Anekdote zurück. Vor rund 30 Jahren sei er mit einem Berliner Philharmoniker ins Gespräch gekommen. Auf die Frage, wie man Philharmoniker werde, habe dieser nur geantwortet: „Ganz einfach: Gut muss man sein.“

Das sei zu seinem Leitspruch geworden, sagt Wilhelmy. In 23 Jahren als Vorstandschef des Berliner Elektromaschinenbauers Hübner – und auch jetzt im Ruhestand, als Stifter. Mit 50 000 Euro ist die neu gegründete Dr.-Wilhelmy-Stiftung in den bisherigen Otto-Klung-Weberbank-Preis eingestiegen, der am heutigen Freitag in Berlin verliehen wird. Damit hat Wilhelmy das Preisgeld auf 100 000 Euro verdoppelt. Auch sein Name ist in den des Preises eingegangen: Klung-Wilhelmy-Weberbank-Preis.

Mit dem Preis werden seit 1973 jährlich Nachwuchswissenschaftler aus Physik und Chemie ausgezeichnet – fünf Nobelpreisträger sind daraus hervorgegangen. Heute erhält ihn der Physiker Martin Zwierlein.

Er habe die Stiftung gezielt gegründet, um Elite zu fördern, sagt Wilhelmy. Ein solcher Gedanke sei ja jahrelang verpönt gewesen. Doch gesellschaftliches Engagement könne nicht immer nur auf sozial Schwache zielen.

Der Preis solle junge Leute dazu ermuntern, sich stärker den Naturwissenschaften zuzuwenden, fordert der neue Stifter. „Deutschland muss wieder an die alte Erfindertradition anknüpfen.“ Wilhelmy selbst ist gelernter Ingenieur. Bei 76 Patenten sei er beim Patentamt als Erfinder oder Miterfinder geführt. „Das meiste betraf Weiterentwicklungen an unseren Geräten.“ Der gebürtige Kieler Wilhelmy hatte nach seiner Ausbildung in Stuttgart 1972 in Berlin seine erste Stelle angetreten und war 1983 Vorstandschef der Hübner Elektromaschinen AG geworden, die heute Baumer-Hübner heißt. Mit rund 190 Mitarbeitern in Berlin gehört das Unternehmen heute zu den weltweit führenden Herstellern von Drehzahl-Sensoren.

Auf die Idee mit der Stiftung ist Wilhelmy vor einem Jahr gekommen. Er war erst seit kurzem im Ruhestand und als Gast zur Preisverleihung eingeladen. Das Engagement des ursprünglichen Preisstifters Otto Klung und des jetzigen Stiftungsverwalters Kurt Hammer habe ihn beeindruckt, sagt Wilhelmy.

„Der Staat hat mir die Möglichkeit gegeben, zu studieren, zu promovieren und etwas aus mir zu machen“, erklärt der 67-Jährige. Nun wolle er der Gesellschaft einen Teil davon zurückgeben. Einen ausschweifenden Lebensstil brauche er nicht. „Andere Unternehmer haben teure Hobbies oder eine Yacht; ich bin Ingenieur, ich freue mich, wenn ich etwas erfinden kann.“ Stefan Kaiser

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