Wirtschaft : Gutes tun und darüber reden

Rund 800 Stiftungen werden jährlich in Deutschland gegründet – Informationstag der Deutschen Bank

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Bis zum Jahr 2010 werden in der Bundesrepublik schätzungsweise 1400 Milliarden Euro vererbt. Bei weitem nicht nur an Kinder oder an andere Verwandte, ein immer größerer Teil des Geldes fließt an Stiftungen und kommt damit der Allgemeinheit zugute. Rund 800 Stiftungen werden in der Bundesrepublik jährlich neu gegründet– ein Boom.

Die Deutsche Bank Berlin bietet potenziellen Stiftern ihre Hilfe an und organisiert am 28. April einen Stiftertag. Stifter, Unternehmer und Experten aus der Politik beraten Interessenten. In Vorträgen und Gesprächsrunden vermitteln Experten der Bank und Stifter Informationen und persönliche Erfahrungen. „Berlin hat Nachholbedarf“, sagt Marc-Aurel von Dewitz, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank Berlin und für den Bereich Private Wealth Management (Verwaltung großer Vermögen) verantwortlich.

Zwar gibt es in der Hauptstadt gegenwärtig rund 503 Stiftungen, darunter so bekannte wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz oder auch die Stiftung für das Tempodrom sowie fast 100 Stiftungen in Brandenburg. Aber verglichen mit rund 1000 Stiftungen in Hamburg ist dies noch wenig. „Die Resonanz auf erste Einladungen und Anzeigen zeigt, wie groß das Interesse ist. Wir stellen fest, dass immer mehr Berliner und Berlinerinnen etwas für ihre Stadt und ihre Menschen tun wollen. Wir haben jetzt rund 80 Anmeldungen“, sagt von Dewitz. Die Teilnahmegebühr in Höhe von 150 Euro fließt übrigens an die Blindenstiftung.

Dabei sind es nicht nur große Vermögen, die in Stiftungen fließen. Zwar ist jeder zweite Stifter Unternehmer, doch auch kleine Beträge sind nicht selten. 43 Prozent der Stiftungen verfügen über maximal 100000 Euro Kapital, fast zwei Drittel der Stifter beziffern ihr Privatvermögen auf weniger als 250000 Euro. Schon Beträge von 100000 Euro können sinnvoll sein. Immer mehr Stifter werben noch zu Lebzeiten selbst Gelder für ihre Stiftungen ein.

„Kleine Beträge können beispielsweise auch in eine unselbstständige Stiftung eingebracht werden“, sagt von Dewitz. „Wir übernehmen auf Wunsch auch alle Arbeiten, die im Büro eines Stiftungsvorstandes anfallen, so dass sich der Stiftungsvorstand ganz auf seine Hauptaufgabe konzentrieren kann, die Erfüllung des Stiftungszwecks. Wir beraten die Interessenten, wie sie ihr Geld am sinnvollsten anlegen können, beziehungsweise managen die Vermögenswerte in einer spezialisierten Vermögensverwaltung .“

Stifter sind entgegen einem Vorurteil keineswegs nur eitle Menschen. Mehr als 40 Prozent aller Stiftungen tragen nicht den Namen ihres Gründers. Rund 70 Prozent aller Stifter wollen, dass ihr „Geld für sehr lange Zeit dem von mir gewählten Zweck zugute kommt“. Sie identifizieren sich mit gesellschaftlichen kulturellen, kirchlichen oder wissenschaftlichen Anliegen. Häufig haben Stifter keine Erben. „Eine Stiftung kann auch für die Unternehmernachfolge sinnvoll sein“, sagt von Dewitz. Das Kapital bleibt erhalten, Erbschaftsteuer fällt in den ersten 30 Jahren nicht an.

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