Wirtschaft : Gutes Zeugnis für 5000 mal 5000

Wissenschaftliche Studie sieht das wichtigste Ziel des Tarifmodells von Volkswagen erreicht – neue Arbeitsplätze

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Berlin (vis). Das VolkswagenProjekt „5000 mal 5000“ ist ehrgeizig – und erfolgreich. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer ersten Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (Sofi). Zwar könne man in dieser frühen Phase noch keine abschließende Bilanz ziehen, sagt der Leiter der Studie, Michael Schumann. „Was wir aber dezidiert sagen können, ist: Das arbeitsmarktpolitische Anliegen des Projekts, Arbeitslose in großer Zahl wieder in normale Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, wurde eingelöst.“ Immerhin 16 Prozent der Arbeiter und fünf Prozent der Betriebsingenieure, die durch das Modell „5000 mal 5000“ einen Arbeitsplatz erhielten, waren zuvor mehr als zwölf Monate arbeitslos.

Das Tarifsystem „5000 mal 5000“ erfand VW-Vorstand Peter Hartz im Jahr 1999 – um die Verlagerung weiterer VW-Arbeitsplätze ins Ausland zu stoppen. Nach schwierigen Verhandlungen mit der IG Metall wurde das Modell 2001 für die Produktion des Minivans Touran beschlossen. Der Name stammt noch aus den Zeiten der D-Mark: Es sollen 5000 Arbeitslose eingestellt werden, die einen Lohn von 5000 Mark (heute 2560 Euro) bekommen. Die 2560 Euro decken alles ab. Es gibt keine Zuschläge für Überstunden, Nacht- und Samstagsarbeit und auch kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Der Lohn wird nicht wie üblich für die geleistete Arbeitszeit gezahlt, sondern für die erbrachte Leistung, für das Erreichen von Mengen- und Qualitätszielen. Werden die Ziele nicht erreicht, muss die Belegschaft nacharbeiten – unentgeltlich. So liegen die Personalkosten der eigens gegründeten Auto 5000 GmbH rund ein Fünftel unter dem VW-Niveau. Jedoch liegt die Bezahlung immer noch über dem durchschnittlichen Niveau der IG Metall.

3500 Stellen sind inzwischen in Wolfsburg entstanden, weitere 1500 sollen in Hannover noch entstehen. Als positiv wertet der Leiter der Studie, die unter anderem von Volkswagen und der IG Metall finanziert wurde, auch die Tatsache, dass die bereits eingestellten 3500 „nahezu vollständig in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten“. Die Belegschaft sei überdurchschnittlich hoch qualifiziert, sagt Schumann, „pflegeleicht“ sei sie jedoch nicht. „Die Belegschaft hat gezeigt, dass sie sich nicht mit Dankbarkeit – also der Tatsache, überhaupt eine Arbeit zu haben – abspeisen lässt“, sagt Schumann. Der Unterschied zur traditionellen Arbeitnehmerschaft liege vor allem darin, dass der Belegschaft von Auto 5000 bewusst sei, dass sie ihren eigenen Beitrag zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze zu leisten habe. Natürlich habe die Stammbelegschaft von VW die Befürchtung gehabt, dass die Kollegen von Auto 5000 die Preise verderben. „Das wird aber von dem Gefühl aufgewogen: Wir tun hier was gegen die Arbeitslosigkeit“, sagt Schumann.

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