Wirtschaft : Hacker spielen mit Sony

Der Elektronikkonzern kämpft gegen neue Angriffe auf seine Systeme

Jan Keuchel[Joachim Hofer (HB)]
Kriminelle Energie. Sony, immer wieder im Fadenkreuz von Hackern, stellt derzeit in den USA seine neue Konsole vor. Foto: AFP
Kriminelle Energie. Sony, immer wieder im Fadenkreuz von Hackern, stellt derzeit in den USA seine neue Konsole vor. Foto: AFPFoto: AFP

Tokio/München - Es hätte die Woche des Neubeginns werden sollen. Auf der Spielemesse E 3 in Las Vegas stellt Sony in diesen Tagen die Playstation Vita vor. Die mobile Spielekonsole soll dem japanischen Elektronikkonzern in den kommenden Jahren Milliardenumsätze bescheren. Doch statt den Kunden den neuen 3-D-Bildschirm der Playstation anzupreisen, muss sich das Unternehmen einmal mehr für Angriffe auf seine Computersysteme rechtfertigen.

Sony teilte mit, es würden zwei neue Attacken untersucht. Dabei sollen Kriminelle die Seite der Musik-Sparte in Brasilien geknackt haben. Darüber hinaus behaupten Hacker, dass sie erneut Daten der Spiele-Division geklaut haben. Schon seit April sieht sich Vorstandschef Howard Stringer regelmäßig Angriffen aus dem Medium ausgesetzt, das zu erobern Sony sich anschicken wollte. Denn die Vita setzt noch stärker als die derzeitige Playstation auf das vernetzte Spielen. Mehr als 100 Millionen Kundendaten sind bereits gestohlen worden – offenbar auf recht einfache Art und Weise. „Man muss sie sich einfach nur nehmen“, spottet die Hacker-Gruppe „LulzSec“– die Urheber eines der jüngsten Angriffe.

Experten sind entsetzt, dass der Konzern keinen Weg findet, die Verbrecher zu stoppen. „Der Schaden für Sony ist riesig. Der Ruf ist angekratzt und viele Kunden werden sich jetzt genau überlegen, ob sie ihre Daten dem Unternehmen anvertrauen“, sagt Rüdiger Spies vom Marktforschungsunternehmen IDC. Sony habe nicht entschieden genug gehandelt: „Die Firma hätte massiv eingreifen müssen. Dass das nicht mit dem notwendigen Erfolg geschehen ist, das ist schon fast leichtsinnig.“

Davon will Sony nichts wissen. Man habe die Attacken nicht erkennen können, sagte Sony-Vizepräsident Shinji Hasejima. Denn sie seien „gemacht gewesen wie eine normale Kommunikation“ zwischen Spielkonsolen und Großrechnern, den sogenannten Servern. Über eine Woche brauchte Sony allein, um hinter diesen Trick der Angreifer zu kommen. Längst hat Sony-Chef Stringer die Quittung bekommen. Um fast ein Drittel ist der Aktienkurs dieses Jahr eingebrochen. Auch am Dienstag gingen die Papiere um 1,5 Prozent in die Knie.

Analysten fürchten, dass die Angriffe Sony teuer zu stehen kommen. Schon jetzt kalkuliert die Firma mit Kosten von 120 Millionen Euro. Ob das reicht, ist fraglich. „Sony muss womöglich mehr Geld ausgeben für sein Sicherheitssystem, wenn diese Hacker-Probleme andauern“, sagt Hideki Yasuda von Ace Securities. Beobachter haben keinen Zweifel daran, dass der Konzern lange gepfuscht hat. „Das System war unsicher“, sagt John Burmgarner von der US Cyber Consequences Unit.

Jan Keuchel, Joachim Hofer (HB)

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