Wirtschaft : Händler bleiben auf Wintermänteln sitzen

Wegen des milden Wetters erwartet der Branchenverband eine schwache Weihnachtssaison – und stellt Kunden Rabatte in Aussicht

Maren Peters

Berlin - Zwei Wochen vor Weihnachten hat der Textilhandel das Saisongeschäft schon fast abgeschrieben. Weil es zu lange zu warm war, bleiben die Händler auf warmen Winterjacken und dicken Pullovern sitzen. „Nach dem schwachen Start im Dezember wird es schwer werden, das Vorjahresergebnis zu erreichen“, sagte Axel Augustin, Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), dem Tagesspiegel. „Wir werden wohl im Minus bleiben.“

Auch in vielen anderen Branchen halten sich die Weihnachtsshopper bislang zurück. „Größtenteils verhalten“ seien die Geschäfte in der zurückliegenden Woche gelaufen, meldete der Einzelhandelsverband HDE am zweiten Adventswochenende. Doch während Buchhändler und Anbieter von Schmuck und Uhren einer Trendumfrage zufolge noch einigermaßen zufrieden sind, leidet vor allem der Bekleidungshandel unter der Abwesenheit von Kälte.

Um die warme Ware loszuwerden, haben einzelne Textilhändler bereits angefangen, die Preise zu senken. Die Metro-Tochter Galeria Kaufhof zum Beispiel gewährte ihren Kunden von Freitag bis Sonntag bundesweit „20 Prozent Rabatt“ auf alle Winterjacken. Nach Angaben von Unternehmenssprecherin Melanie Plöger soll das in der Masse zwar eine zeitlich begrenzte Aktion bleiben, für einzelne Artikel werde der Preis aber auch künftig heruntergesetzt. „Bedingt durch hohe Temperaturen, lässt der Bedarfskunde auf sich warten“, erklärt Plöger und meint damit die überwiegende Zahl der Konsumenten, die dicke Socken erst dann spontan kauft, wenn die Kälte schon unter die Haut kriecht.

„Ja, auch wir haben bereits Preise gesenkt“, bestätigt Peter Rentsch, Geschäftsführer der Bekleidungskette Zara Deutschland, dieser Zeitung. Prospekte mit Reduzierungen plant die Einzelhandelskette Karstadt-Quelle vorerst zwar noch nicht, Unternehmenssprecher Jörg Howe bestätigt aber den Trend: „Kleidung war bisher nicht der Brüller.“ Wie Konkurrent Kaufhof belässt es auch Karstadt bei Textilien vorerst bei vereinzelten Preissenkungen und hofft – wie der Rest der Branche – noch auf einen Wetterumschwung. „Es wird bereits kälter und nasser“, sagt Howe, der sich mit dem Weihnachtsgeschäft insgesamt zufrieden zeigte.

Auch die Textil-Billigkette C&A hat bereits Zeichen für den Umschwung ausgemacht. „Der vergangene Samstag mit trockener Kälte war sehr positiv“, sagt C&A-Sprecher Knut Brüggemann. Aber auch er gibt zu, dass die bisher außergewöhnlich warmen Temperaturen dem Geschäft „nicht gerade zuträglich“ gewesen seien. Trotzdem sieht er den Umsatz „im Rahmen der Planung“.

Wo sich die teils börsennotierten Einzelhändler mit Detail-Angaben zum Weihnachtsgeschäft zurückhalten, hilft der Textilhandelsverband BTE weiter. Der Umsatz seiner Mitglieder lag in der Woche zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – um sieben Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresumsatz. „Es ist zu befürchten, dass der gesamte Dezember schwach bleibt“, sagt BTE-Sprecher Augustin. Auch die Tatsache, dass der Dezember einen Verkaufstag weniger habe, werde sich negativ in den Kassen bemerkbar machen.

Nach Einschätzung des Verbandes könnten die Kunden schon bald davon profitieren, dass sich Pullover und Daunenjacken in den Geschäften stapeln. „Nach den Feiertagen wird noch einmal an der Preisschraube gedreht“, prophezeit der BTE-Sprecher. Bisher mögen das aber nur wenige Händler wie Zara-Chef Rentsch offiziell bestätigen.

Dem Handel bleibt in der Regel gar nichts anderes übrig, als die Preise zu senken. In vielen Geschäften trifft schon jetzt die neue Frühjahrskollektion ein, die Bestellungen sind schon vor einem halben Jahr abgegeben worden. Weil die Lagerkapazität begrenzt ist und viele Mode-Artikel ohnehin nur eine kurze Verfallszeit haben, verzichten die meisten Händler darauf, die nicht verkaufte Ware einzumotten. Sie verramschen sie lieber.

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