Wirtschaft : Hängepartie um Beiersdorf

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Von Maurice Shahd

Die Situation ist festgefahren. Die Allianz hält 44 Prozent am NiveaProduzenten Beiersdorf und möchte diesen Anteil gerne verkaufen. Mit dem Konsumgüterkonzern Procter & Gamble steht ein Käufer bereit. Der kommt aber nicht zum Zuge, weil der Kaffee-Röster Tchibo 31 Prozent der Beiersdorf-Aktien besitzt, diesen Anteil aber nicht hergeben will. Im Gegenteil: Tchibo hat immer wieder signalisiert, gerne die Mehrheit übernehmen zu wollen. Jetzt tritt auch noch der ehemalige Tchibo-Miteigentümer Günter Herz als Privatinvestor auf und zeigt ebenfalls Interesse an dem Allianz-Paket.

Was aber ist das Beste für Beiersdorf? Kauft Procter & Gamble den Nivea-Produzenten, wird das Unternehmen wohl zerlegt. Procter könnte Nivea zu einer globalen Marke ausbauen und so seine Position auf dem Kosmetikmarkt stärken. Andere Marken wie Tesa oder Hansaplast könnte der US-Konzern weiterverkaufen und mit der Zusammenlegung von Management und Produktion die Kosten senken. Deshalb ist Procter bereit, einen Preis zu zahlen, der über dem Marktpreis liegt. Anders bei Tchibo und Günter Herz. Die Vorteile und die Finanzkraft eines global agierenden Großkonzerns bringen sie nicht mit. Das eigentliche Problem in diesem Spiel ist die Familie Herz: Die fünf Geschwister waren sich nie einig darüber, ob sie Beiersdorf tatsächlich übernehmen wollen oder nicht. Anstatt ein realistisches Übernahmeangebot zu machen, blockierten sie mit ihrem 30-Prozent-Anteil den Verkauf an einen Konzern wie Procter.

Für Beiersdorf wird die Hängepartie zu einer echten Belastung. Die Unsicherheit bei den Mitarbeitern und Geschäftspartnern wird mit jedem neuen Gerücht größer. Die Herz-Familie sollte sich entscheiden: Entweder legt sie ein vernünftiges Angebot auf den Tisch oder überlässt anderen das Feld.

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