Wirtschaft : Hätte die amerikanische Notenbank doch bloß die Zinsen erhöht! (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Hätte die amerikanische Notenbank doch bloß! Hätte sie die Zinsen am Dienstag erhöht, so wüssten die Anleger nun wenigstens, woran sie sind. Manchmal ist eine unangenehme Entscheidung besser als gar keine. Doch statt dessen bleibt es bei Warnungen. Und die wird es wohl auch am heutigen Donnerstag geben, wenn die Europäische Zentralbank ihrerseits über eine Zinserhöhung befindet. Die Volkswirte der führenden Banken erwarten, dass EZB-Präsident Wim Duisenberg vor der möglichen Inflation warnt, aber keinen Zinsschritt nach oben wagt. US- und Euro-Zentralbank sind vorsichtig. Sie wollen jeden Schock für die Konjunktur vermeiden und eine Politik der ruhigen Hand betreiben. Ein klarer Kurstrend an den Börsen wird in den kommenden Wochen nicht zu erkennen sein. Mal wird der Optimismus überwiegen, mal die Furcht vor höheren Zinsen. Schon zittern die Investoren, die bisher auf den Dienstag gelauert hatten, vor der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Mitte November.

Gibt es eine Strategie für die Investoren an den Börsen? Auf der sicheren Seite ist, wer sich an die Regel des kürzlich verstorbenen Altmeisters André Kostolany hält: Aktien kaufen und für eine lange Zeit schlafen. Dann hat sich die Hektik des Tages verflüchtigt - und das Kapital hoffentlich deutlich vermehrt. Ob die Notenbanken im Oktober oder November den Zins erhöhen, spielt dann nur eine kleine Rolle.

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