Wirtschaft : Hätte fast den Kopf gekostet

Konkursverwalter: Fall Schneider für Handwerker ausgestanden

BERLIN/FRANKFURT (kö/dpa). Die einst auf Jürgen Schneiders Baustellen tätigen Handwerksfirmen sind mit einem blauen Auge davongekommen.Zwar bleibt auch die große Schar der Handwerker, die auf den Baustellen Schneiders von dessen Konkurs überrascht wurden, auf dem größten Teil der offenen Forderungen sitzen."Aber erwischt hat¡s letztlich keinen", ist sich Schneider-Konkursverwalter Gerhard Walter sicher."Die Behauptung, da seien welche über die Wupper gegangen, ist schlicht falsch." Wäre es anders, müßte es Walter genau wissen.Dann nämlich hätten sich Konkursverwalter betroffener Handwerksunternehmen bei ihm gemeldet, die die Zahlungen aus der Schneiderschen Konkursmasse beansprucht hätten.Dies sei aber "nirgendwo geschehen", versichert Walter. Der Geschäftsführer des Verbandes Baugewerblicher Unternehmen Hessen, Reinhard Buhl, sieht Schneiders Aktivitäten kritischer.Ihm zufolge sei er mit den Handwerkern "sehr ruppig" umgegangen.Der Baulöwe habe alle Rechnungen bezahlt, aber nur bis 50 Prozent des Bauvolumens erledigt war.Dann stellte er alle Zahlungen ein.Er habe die Handwerker mit "legalen Mitteln übers Ohr gehauen".So habe er die Bestimmung genutzt, daß alle Baumaterialien in den Besitz des Grundstückseigentümers übergehen, sowie sie fest mit dem Untergrund verbunden sind.Er nutzte auch die Bestimmung, nach der ein Handwerker nur 12 Werktage Zeit hat, die Bezahlung der Schlußrechnung zu reklamieren.Schneider habe einfach einen Verrechnungsscheck etwa über 900 DM statt 90 000 DM geschickt und Proteste abgewiesen, wenn die 12-Tages-Frist überschritten war.Viele Handwerkerbetriebe wurden, laut Buhl, von den Zahlungen der Deutschen Bank im Anschluß der Schneider-Pleite gerettet.Insgesamt hat die Bank über drei Mrd.DM im Zusammenhang mit der Schneiderschen Hinterlassenschaft ausgezahlt.Während der "aktiven Zeit" habe Schneider allerdings einige Handwerker ruiniert. Knapp 40 Leipziger Handwerkern hat dieSchneider-Pleite fast den Kopf gekostet.Nur eine beispielslose Solidaritätswelle gegen den "Westkapitalisten" half vielen Kleinunternehmen, zumindest die Liquiditätskrise zu überbrücken.Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer sprangen vor Ort in die Bresche und vermittelten für ihre Klientel auf unbürokratische Weise neue Aufträge.Auch die Stadt half mit: Die geschädigten Firmen bekamen alle ihre Rechnungen im Voraus beglichen.

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