Wirtschaft : Haffa-Brüder sollen zahlen

Medienfirma EM.TV will 130 Millionen Euro Schadenersatz von Ex-Vorständen und -Aufsichtsräten

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München Der Film- und Sportrechtehändler EM.TV will die Ex-Vorstände Thomas und Florian Haffa zur Verantwortung für den Absturz des Unternehmens ziehen. Das jetzige Management unter Werner Klatten, der EM.TV einer harten Sanierung unterziehen musste, fordert von den Haffas sowie fünf weiteren Ex-Mitgliedern des Vorstands und Aufsichtsrates Schadenersatz in Höhe von 130 Millionen Euro. Begründet wird die Forderung mit gravierendem Fehlverhalten im Zusammenhang mit dem Erwerb der Formel-1-Beteiligung im Jahr 2000.

Auf Empfehlung einer Anwaltskanzlei würden die Schadenersatzansprüche außergerichtlich und, falls notwendig, gerichtlich geltend gemacht, teilte EM.TV in München mit. Neben den Haffa-Brüdern richten sich die Forderungen gegen die Vorstände Ulrich Goebel und Hans-Peter Vriens sowie die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder Nickolaus Becker, Axel Kollar und Mathias Schwarz.

Unter der Führung der Haffas war die auf Merchandising-Rechte spezialisierte EM.TV am Neuen Markt zum Börsenstar aufgestiegen. Thomas und Florian Haffa gingen auf Einkaufstour: Sie erwarben die Jim Henson Company, den Erfinder der Muppets-Show und kauften sich mit Hilfe von Leo Kirch in die Rennserie Formel 1 ein. EM.TV erwarb für 1,8 Milliarden Euro die Hälfte an der Holding-Gesellschaft SLEC. Mit einer Gewinnwarnung begann Ende 2000 der Niedergang von EM.TV. Die Aktie stürzte dramatisch ab.

Die Brüder Haffa wurden im April 2003 vom Landgericht München in einem Aufsehen erregenden Prozess zu einer Geldstrafe von knapp 1,5 Millionen Euro verurteilt. Nach Ansicht der Richter hatten sie die Halbjahreszahlen gefälscht und die Zahlen der Formel 1-Beteiligung und der Jim Henson Company zu hoch ausgewiesen. Die Anwälte der Haffas haben gegen das Urteil Revision eingelegt.

Die Schadenersatz-Forderung habe mit dem Prozess nichts zu tun, sagte Stefan Rützel von der Frankfurter Anwaltskanzlei Gleiss Lutz, die EM.TV vertritt. Auch gebe es keine neue Rechtsgrundlage. „Wir wurden Ende 2002 vom neuen Management beauftragt, die Vergangenheit lückenlos zu überprüfen“, sagte Rützel dem Tagesspiegel. Das habe lange gedauert, „weil es Berge von Unterlagen gegeben hat, die wir uns erklären lassen mussten“. Rützel schätzt die Chancen auf eine außergerichtliche Einigung als gering ein. „Wenn die Betroffenen die 130 Millionen nicht zahlen wollen, werden wir im September Klage einreichen“, sagte er. Im Falle eines Verfahrens sei erstinstanzlich mit einer Dauer von etwa zwei Jahren zu rechnen. Rützel kündigte an, dass „noch andere Sachverhalte geprüft werden, die sich gegen das Ex-Management richten“. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen.

Den Ex-Finanzvorstand von EM.TV, Florian Haffa, beunruhigt die Schadenersatzforderung nicht. „Sollte es zu einer Klage kommen, sehen wir dieser sehr gelassen entgegen, da wir uns nichts vorzuwerfen haben“, sagte er am Freitag.

Werner E. Klatten, der seit 2001 amtierende EM.TV-Chef, hat inzwischen alle kostspieligen Beteiligungen wieder verkauft und das Unternehmen auf das Kerngeschäft mit Sport und Unterhaltung zurechtgestutzt. Vor drei Monaten entging EM.TV mit Unterstützung der Gläubigerbanken knapp der Insolvenz, weil die anstehende Zahlung einer Wandelanleihe über knapp eine halbe Milliarde Euro dem Unternehmen das Genick zu brechen drohte.

Sollte sich EM.TV mit seiner Schadenersatz-Forderung durchsetzen, kann es jedoch nicht allein über das Geld verfügen. Ein Drittel der Summe steht wegen eines früher geschlossenen Vergleichs der Deutsche Bank-Tochter Deutsche Morgan Grenfell-Gruppe zu.

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