Haftbefehl : Postchef wieder freigelassen

Nach seiner Festnahme durch die Bochumer Polizei ist Post-Chef Zumwinkel wieder auf freiem Fuß. Er soll sich kooperativ gezeigt haben und leistete eine Geldzahlung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn und weitere Verdächtige.

200895_0_2236e963
In Bedrängnis: Klaus Zumwinkel soll jahrzehntelang Steuern hinterzogen haben. -dpa

MainzDer mächtige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post soll über zehn Millionen Euro am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust haben. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte am Morgen sein Zuhause und Büro in Köln und Bonn. Die Villa wurde abgesperrt.

Die Staatsanwaltschaft in Bochum bestätigte, dass gegen Zumwinkel sowie weitere Verdächtige ermittelt werde. Ein Haftbefehl ist jedoch außer Kraft gesetzt worden, weil der Post-Chef nach Angaben der Staatsanwaltschaft kooperieren will und eine Geldzahlung leistete. Zumwinkel konnte die Staatsanwaltschaft Bochum nach seiner Vernehmung am frühen Nachmittag wieder verlassen. Die Deutsche Post dementierte Berichte über einen Rücktritt Zumwinkels. Solche "Gerüchte" seien falsch, sagte eine Sprecherin in Bonn.

Schwarzgeld in Liechtenstein

Bereits seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Post-Chef, will sich zu den Erkenntnissen aber nicht weiter äußern. "Weitere Angaben zum Stand des Verfahrens können aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht gemacht werden", heißt es in einer Mitteilung der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen.

Der in Wirtschaftskreisen hoch angesehene Post-Chef soll Steuern in Höhe von über zehn Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschleust und das Schwarzgeld auf einem Konto in Liechtenstein deponiert haben. Das Vermögen soll er laut "Spiegel Online“ seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe einer Stiftung angesammelt haben.

Schon einmal in der Kritik

Den Vorstandschef schien die Aktion völlig überrascht zu haben. Bei der Razzia am Morgen durchsuchte die Polizei sowohl Zumwinkels Villa im Kölner Stadtteil Marienburg als auch seine Büroräume der Konzern-Zentrale in Bonn.

Klaus Zumwinkel steht seit 19 Jahren an der Spitze der Deutschen Post und sitzt daneben auch im Aufsichtsrat der Telekom und der Postbank. Erst im Dezember 2007 war er schwer in die Kritik geraten, weil er kurz nach Einigung auf den Mindestlohn für Briefzusteller den steigenden Aktienkurs zu seinem Vorteil nutzte. Er verkaufte 200.000 Post-Aktien aus seinem Privatbesitz und verdiente so 4,73 Millionen Euro. Im vergangenen Sommer war bereits ein Verwandter des Post-Chefs wegen Steuerhinterziehung in Verbindung mit Liechtenstein ins Visier der Justiz genommen worden. (nim/imo/dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar