Wirtschaft : Haftstrafe in der Telekom-Affäre gefordert Verteidiger plädiert für Geldstrafe

Bonn - Im Prozess um die Telekom-Bespitzelungsaffäre hat die Staatsanwaltschaft für den Hauptangeklagten dreieinhalb Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte für eine Geldstrafe. Der Ex-Abteilungsleiter für Konzernsicherheit, der 60-jährige Klaus T., sei der Initiator des illegalen Datenmissbrauchs gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch vor dem Bonner Landgericht. Das Urteil soll am nächsten Dienstag (30. November) gesprochen werden.

In den Jahren 2005 und 2006 waren von der Telekom laut Anklage 42 Personen über ihre Telefondaten ausspioniert worden, darunter Journalisten, Aufsichtsräte und Gewerkschafter. Die Bespitzelung sei ein „extremer Angriff auf die Presse- und Informationsfreiheit“, betonte Staatsanwalt Ulrich Kleuser.

Klaus T. wurden im Plädoyer der Staatsanwaltschaft konkret sieben Fälle von Bespitzelung zur Last gelegt. Darunter waren als Hauptopfer vor allem eine Journalistin und ein Journalist von zwei Wirtschaftsmagazinen. Folgt das Gericht in seinem Urteil der Staatsanwaltschaft, drohen dem Angeklagten und langjährigen Telekom-Beamten neben einer Freiheitsstrafe auch der Entzug der Beamtenansprüche.

Klaus T. hatte schon am ersten Prozesstag die alleinige Verantwortung für das illegale Vorgehen übernommen. Er sei eigenmächtig aktiv geworden, nachdem ihm Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke den Auftrag erteilt habe, ein Informationsleck aufzuspüren. Ricke habe dabei selbst keine ausdrückliche Genehmigung für die Datenüberwachung erteilt.

Die Ermittlungsverfahren gegen Ricke wie auch Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren eingestellt worden. In beiden Fällen prüft die Staatsanwaltschaft aber noch Beschwerden gegen diese Einstellung. Die Verfahren gegen zwei weitere Angeklagte, die beim Ausspionieren mitgewirkt hatten, waren jeweils wegen geringer Schuld gegen Zahlung eines Geldbetrags eingestellt worden. dpa

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