Wirtschaft : Hagelsturm trifft VW

Einige tausend Neuwagen in Wolfsburg beschädigt / Enormer Unwetterschaden in Baden-Württemberg.

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Körner-Katastrophe. Bei den Versicherungen in Niedersachsen und vor allem Baden-Württemberg sind Ende Juli Unwetterschäden im Volumen von fast 700 Millionen Euro entstanden. Auch der VW-Konzern ist versichert. Foto: dpa
Körner-Katastrophe. Bei den Versicherungen in Niedersachsen und vor allem Baden-Württemberg sind Ende Juli Unwetterschäden im...Foto: dpa

Berlin - Die Mitarbeiter im Wolfsburger VW-Werk haben in diesen Tagen eine besondere Beschäftigung – sie packen Autos aus. „Einige tausend Fahrzeuge“ müssen nach Angaben des Konzerns auf Hagelschäden untersucht werden. Die zum großen Teil versandfertig mit Folien verpackten Neuwagen standen auf dem Werksgelände, als Ende Juli ein Hagelsturm über der Region am Mittellandkanal niederprasselte. Ob und wie stark die Autos beschädigt sind, wird nun aufwändig ermittelt. Dann gibt der Konzern die Pkw mit Dellen zu externen Ausbeulern. Nach Angaben von VW sind das „Profis, die in filigraner Arbeit“ die Bleche wieder glattziehen, teilweise bei Unterdruck. Anschließend begutachtet die Qualitätskontrolle bei VW die Karosserien.

„Alles in allem ein sehr zeitintensives Verfahren“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. „Aber der Kunde kann eine fehlerfreies Produkt erwarten.“ Um den Autokäufer für die Wartezeit zu entschädigen, wird ihm ein „modellabhängiger Abschlag“, eine Art Hagelprämie angeboten. In welcher Höhe, sagte der Sprecher nicht. Alternativ bekommt der Kunde einen neuen Wagen – muss dann aber wieder eine Wartezeit akzeptieren.

VW hat bereits Erfahrung mit Unwetterfolgen: 2008 hatten Hagelkörner einige tausend Neuwagen im Hafen von Emden beschädigt. Dort produziert VW den Passat; in Wolfsburg werden die Modelle Golf, Tiguan und Touran montiert.

Für VW hält sich der Schaden in Grenzen, weil der Konzern versichert ist. Das trifft auch für die meisten privaten Autobesitzer zu. Anfang der Woche hatte die VGH Versicherung in Hannover mitgeteilt, dass sie insgesamt eine Schadenssumme in der Region von 75 Millionen Euro erwarte. Bei der VGH waren bis dahin 11 000 Schäden an Gebäuden und 10 000 an Autos gemeldet worden. Bei privaten Autobesitzern greift in der Regel die Teilkaskoversicherung.

Noch viel teurer sind die Unwetterfolgen im Südwesten. Die Württembergische Versicherung schätzt die Schäden an Autos und Häusern ihrer Kunden nun auf 90 Millionen bis 130 Millionen Euro, wie sie am Freitag mitteilte. Der Hagel, der am letzten Juli-Sonntag von der Alb bis zum Schwarzwald gezogen war, verursachte den bisher größten Schaden aus Naturkatastrophen in der Geschichte der Versicherung. Die Folgen für deren Gewinn seien aber begrenzt, weil für einen Großteil des Schadens Rückversicherer wie etwa die Munich Re einstehen. Die drei Versicherer mit den größten Marktanteilen in Baden-Württemberg – SV Sparkassen Versicherung, Württembergische und Allianz – haben Hagel-Schäden von insgesamt 600 Millionen Euro gemeldet. mit rtr

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