Wirtschaft : Hagenuk-Teilübernahme unter Dach und Fach

Tiptel baut neues Werk in Kiel / Käufersuche für Berlin geht weiter KIEL/BERLIN (beu/HB/hej).Die Ratinger Tiptel AG hat mit sofortiger Wirkung die Produktbereiche schnurlose Telefone, ISDN-Systeme und Computerkommunikation von der Kieler Hagenuk Telecom GmbH mit 552 Mitarbeitern zu einem ungenannten Kaufpreis übernommen.Wie der Tiptel-Vorstandsvorsitzende Erhard Schäfer nach der Vertragsunterzeichnung ausführte, handelt es sich um einen reinen "asset-deal", das heißt, es werden nur Vorräte, Maschinen sowie die Patente aus dem am 1.März eingeleiteten Anschlußkonkurs der Hagenuk Telecom GmbH erworben.Schäfer rechnet zur Fortführung der neuen Hagenuk GmbH mit einem mittelfristigen Kapitalbedarf von 75 Mill.DM.Hiervon steuert Tiptel zur Ausstattung des Stammkapitals 25 Mill.DM bei.Weitere 50 Mill.DM sichert ein Bankenpool der Commerzbank, der IKB und der Deutschen Bank.Zugleich kündigte Schäfer den Neubau einer Fabrik für Hagenuk an, die Ende 1999 die Produktion aufnehmen soll.Für das 45 Mill.DM Projekt hat Tiptel am Montag den Kaufvertrag über ein 37 700 Quadratmeter großes Grundstück unterzeichnet.Den Erwerb der Produktionsbereiche von Hagenuk begründete Schäfer mit dem Hinweis, daß Tiptel bisher bei drahtgebundenen Telekommunikationsprodukten, Hagenuk aber im Schwerpunkt bei mobilen Erzeugnissen tätig sei.Hier würden künftig die größten Wachstumsraten erwartet.Auch in den Vertriebsschienen beider Unternehmen gebe es kaum Überschneidungen.So sei Tiptel fachhandelsorientiert, während Hagenuk über gute Kontakte zu in- und ausländischen Netzanbietern verfüge.Im laufenden Jahr dürfte Tiptel allein 100 bis 120 Mill.DM umsetzen.Einschließlich Hagenuk erwartet Schäfer einen Umsatz von über 250 Mill.DM.Als Konsequenz der Neuausrichtung wird die bislang nur im geregelten Markt in Düsseldorf notierte Aktie der Tiptel AG am Neuen Markt in Frankfurt eingeführt.Die erste Notiz ist für die erste Woche im Mai, noch vor der Tipel-Hauptversammlung am 11.Mai vorgesehen.In der neuen Geschäftsführung von Hagenuk agiert Schäfer als Sprecher ohne operativen Bereich.Nicht übernommen wird von Tiptel der Bereich digitale Handys nach dem GSM-Standard mit 450 Mitarbeitern in Kiel, die Betriebsstätte in Berlin mit knapp unter 300 Beschäftigten sowie das GSM-Entwicklungszentrum in Dänemark mit 90 Beschäftigten.Hagenuk-Konkursverwalter Hans-Jürgen Beil wird nach eigenen Angaben Ende der Woche mit dem italienischen Interessenten für den GSM-Bereich, Telital, verhandeln.Es bestehe Hoffnung, im März oder April zu einem Abschluß zu gelangen.Dieser könnte die Weiterbeschäftigung von 200 der 450 Mitarbeiter sichern.In Berlin hofft man, daß die Handy-Fertigung an der Spree bleibt.Wie Ludger Loop von der Innovationsberatungsstelle der IG Metall mitteilte, gebe es mit Telital als Käufer Chancen für eine Berliner Lösung.Am Mittwoch ist ein Besuch der Italiener bei Hagenuk Berlin geplant.Im Gespräch sei ein zweistelliger Millionenbetrag für den Erwerb der GSM-Sparte.Eine vergleichbare Summe werde aber noch einmal für nötige Investitionen gebraucht.Wie Loop weiter berichtete, sind 150 der Berliner Beschäftigten seit gestern von der Arbeit freigestellt und beziehen nun Arbeitslosengeld vom Arbeitsamt.

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