Wirtschaft : Hahn im Korb

Männer in Frauenberufen müssen mit Vorurteilen umgehen. Dafür gelingt ihnen schnell der Aufstieg.

Ob als Krankenpfleger, Kindergärtner oder Grundschullehrer: Männer in bisher noch typischen Frauenberufen gelten oft als eher zarte Typen und müssen sich fragen lassen, ob nicht in einem anderen Job mehr drin gewesen wäre.

„Auch in Familie und Freundeskreis kommt es häufig zu Situationen, in denen sie sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, sie hätten ja nichts Richtiges gelernt“, sagt Britta Matthes vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Das hindere viele Männer daran, einen vermeintlichen Frauenberuf zu wählen.

Jene, die es doch wagen, müssen einiges aushalten können, denn sie stechen hervor. „Dass ich als Mann in meinem Job in der Unterzahl bin, ist noch untertrieben“, stellt Peter Bließen fest, der als Medizinischer Fachangestellter in einer Praxis für Onkologie und Hematologie in Hildesheim arbeitet.

Die Statistik gibt ihm recht. Die Gesundheitspersonalrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass nur jeder hundertste Medizinische Fachangestellte – umgangssprachlich: Sprechstundenhilfe – ein Mann ist.

Bließen selbst ist über Umwege dazu gekommen. „Ich wollte eigentlich einen eher kaufmännischen Beruf machen“, erinnert er sich.

Nach dem Schulabschluss begann er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Diese machte er allerdings nicht zu Ende, weil er zur Bundeswehr eingezogen wurde. „Im Nachhinein bin ich glücklich darüber“, versichert Bließen. Denn nachdem er im Sanitätsdienst eingesetzt wurde, entschied er sich für seinen Traumberuf, den er nun seit zehn Jahren ausübt.

Ähnlich sei es bei vielen Männern, die sich für einen Frauenberuf entschieden haben, glaubt Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung in Berlin. „Männer, die im Zivildienst in Kindertagesstätten oder anderen pädagogischen Einrichtungen tätig waren, haben oft ihre Berufsvorstellungen verändert“, sagt er. „In dieser Zeit haben sie gemerkt: Das ist doch was für mich.“

Wie bei den medizinischen Fachangestellten sind Männer auch an Grundschulen und in der Betreuung noch jüngerer Kinder eher die Ausnahme. Im Jahr 2009 waren laut Statistischem Bundesamt nur 7,2 Prozent der Mitarbeiter in Kindertagesstätten männlich. Ein Wert, der sich bis heute nur wenig verändert haben dürfte. Noch weniger Männer arbeiten lediglich in Haus- und ernährungswirtschaftlichen Berufen (5,1 Prozent) und als Kosmetiker (3,4 Prozent).

„Männer in Frauenberufen erhalten definitiv weniger Lohn als Männer in geschlechtskonformen Berufen“, stellt Matthes fest. Aber: „Männer in Frauenberufen übernehmen allerdings sehr häufig Leitungsfunktionen.“ Es sind also oft die Exoten, die die beschränkten Möglichkeiten des Aufstiegs nutzen können. Dadurch verdienen sie im Schnitt besser als ihre Kolleginnen.

„Sie bekommen aber nicht generell mehr Lohn. Das kommt einfach dadurch, dass Männer mehr Aufgaben übernehmen und seltener in Teilzeit arbeiten“, erklärt die Arbeitsmarktexpertin.

Aus persönlicher Erfahrung bestätigen kann das Peter Bließen. Er ist Mitglied im Prüfungsausschuss des Verbands medizinischer Fachberufe und auch im Praxisalltag hat er einige Sonderaufgaben übernommen.

„Es wird ja gern gesagt, dass Männer besser mit Technik umgehen können als Frauen“, sagt Bließen. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Er jedenfalls ist mit dieser Begründung zum Gerätebeauftragten geworden. dpa

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