Wirtschaft : Haim Saban verschafft Springer Luft

Ulrike Simon

Berlin – Haim Saban, Noch-Eigentümer der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1, hat sich mit der Axel Springer AG darauf verständigt, auf die Forderung zu verzichten, vom 23. Januar an Verzugszinsen zu verlangen. Im Kaufvertrag vom August 2005 hatte sich der US-Medienunternehmer zusichern lassen, dass Springer bis zu zwei Monate lang für jeden Tag, an dem die Fusion der beiden Konzerne nicht in trockenen Tüchern ist, rund 823 000 Euro gezahlt zu bekommen. Im Gegenzug übernahm Saban das Kartellrisiko.

Auf den Verzicht verständigte sich Saban in Gesprächen, die er am Dienstag und Mittwoch in Berlin mit Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner geführt hat. Für den Abend wurde Saban beim Fernsehkonzern in Unterföhring erwartet.

Zum Inhalt und dem Ergebnis der Gespräche zwischen Saban und Döpfner wollte sich Verlagssprecherin Edda Fels am Mittwoch nicht äußern. Sie bestätigte jedoch, sie seien „sehr konstruktiv“ verlaufen: „Es gibt keinerlei Anlass, davon auszugehen, dass man sich nicht über das weitere Vorgehen wird verständigen können.“

Damit hat sich Springer Luft verschafft, weitere Schritte zu prüfen, wenn das Kartellamt die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 am 27. Januar untersagen wird. Noch lässt sich Springer die Option offen, den Klageweg zu beschreiten oder einen Antrag auf Ministererlaubnis zu stellen, um gegen das erwartete Kartellveto vorzugehen. Eine Klage könnte bis zu eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Wahrscheinlicher erscheint daher ein Antrag auf Ministererlaubnis, über den Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) binnen vier Monaten entscheiden müsste.

Zugleich behält sich Springer vor, sich jederzeit von den Fernsehplänen ganz zu verabschieden. Nachdem die Forderung nach Vollzugszinsen vom Tisch ist, würde ein Rückzug keine finanziellen Einbußen nach sich ziehen.

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