Wirtschaft : Halbherzige Hüpfer

Charles Fleming

Die Frosch-Polizei greift härter durch, aber die Gejagten schlüpfen ihnen immer wieder durch die Finger.

In den kargen, windgepeitschten Aubrac Bergen in Zentralfrankreich liegen Jean Marc Bunyik und Jacques Chalier, versteckt in einem kleinen Pinienwäldchen, zwei Tage lang auf der Lauer und beobachten einen nahe gelegenen Sumpf. Dort haben sich wie jedes Jahr zu dieser Zeit Tausende Frösche zum Laichen versammelt. Plötzlich erstarrt Herr Bunyik. "Runter!", befiehlt er. Die beiden Männer werfen sich auf den Boden und beobachten ein Motorrad, das 500 Meter weiter auf einem verlassenen Weg anhält. Der Motorradfahrer setzt seinen Helm ab und klettert in einen Bach. Er ist fünf Minuten zugange und fährt dann wieder davon. "Nur ein kleiner Fisch", meint Chalier verächtlich. Sie lassen ihn gehen.

"Frosch-Fischen", wie es hier heißt, ist zum Schutz der Froscharten, die in freier Wildbahn laichen, in Frankreich seit 1977 verboten. Doch Gourmets trauern ihrem delikaten Geschmack nach. Die wilde Art Rana temporaria lässt sich in Gefangenschaft nur schwer züchten. Die gefrorenen Froschschenkel, die man im Supermarkt kaufen kann, stammen von anderen Arten und sind größtenteils aus Indonesien importiert. "Frösche haben in diesem Jahr erste Priorität", sagt Patrick Cuminge, oberster Frosch-Polizist des Bezirkes Cantal. "Wir wollen die Kerle kriegen, die illegal mit Froschschenkeln handeln", sagt er.

Aber die Wilderer sind gerissen und kennen die Berge gut. Cuminges Team, das aus neun Wächtern besteht, hat in diesem Frühjahr bislang noch keine zehn Wilderer erwischt. Nachdem er kürzlich einen Hinweis erhalten hatte, dass Kisten mit gefrorenen Froschschenkeln von Wilderern nach Paris und an die Riviera geschifft wurden, wusste er, dass es an der Zeit war, härter durchzugreifen.

Doch das ist schwer. "Ich bin noch nie gefasst worden", prahlt Fernand Parra, ein wettergegerbter 50-jähriger Campingplatz-Aufseher. Parra sagt, wenn er wildern gehe, nehme er immer zwei batteriebetriebene Lampen mit in die Berge. Eine brennende Lampe lege er dann in der Nähe des Teiches auf dem Boden ab, während er die andere benutze, um die Frösche zu blenden. Wenn ein Polizist auftauche, mache er die Lampe in seiner Hand schnell aus und verschwinde, während sich "das Gesetz" der Lampe auf dem Boden nähere.

Es gibt im Spätsommer einen Monat, in dem es erlaubt ist, Frösche zu angeln - auf die vornehme Art mit Rute und Leine. Aber das dauert lange und die Ausbeute ist zu klein. Fernand Parra und seine Freunde wollen bei einer richtigen Froschschenkel-Party bis zu sechs Dutzend Schenkel pro Mann verdrücken. Um genug Fleisch zu bekommen, müssen sie die Tiere zu Hunderten schaufeln, wenn sie sich während der kurzen Paarungszeit in den Teichen versammeln. Ein Fang von Tausend Fröschen oder mehr in zwei Stunden sei für einen entschlossenen Wilderer ein normaler Schnitt, meint Frosch-Polizist Chalier. Etwa zur gleichen Zeit, als er und sein Kollege unverrichteter Dinge ihr Versteck verlassen, macht sich ein weiterer Wilderer auf in die dunkel werdenden Berge. Der Wilderer ist eine Frau. Die 25-Jährige, die sich als Pascale ausgibt, lacht, als sie hört, dass Aufseher wie Bunyik und Chalier die Teiche über Tag beobachten. Auf den weiten Hochplateaus kann man bei Tageslicht kilometerweit gesehen werden. Zwar sind die Wilderer durch ihre Taschenlampen auch nachts von weitem zu erkennen, aber die Flucht gelingt im Dunkeln viel leichter.

Pascale verkauft ihre Beute für etwa sechs Euro das Dutzend heimlich an Privathaushalte und Restaurants. Die jüngste nächtliche Aktion könnte ihr etwa 300 Euro einbringen, schätzt Pascale. Nachts im Sumpf zu stehen und die zehn Zentimeter langen, glitschigen Frösche aus dem eisigen Wasser zu fischen, ist dabei nicht der einzige unerfreuliche Teil des Froschfischens.

Es ist auch notwendig, die Schenkel vor dem Verkauf zu preparieren. Pascale erklärt, wie es gemacht wird. Sie schneidet dem lebenden Frosch mit einem scharfen Messer die Beine unterhalb der Hüfte ab. Der Rumpf verliert etwas Blut und macht mit den Vorderbeinen ein paar halbherzige Hüpfer, bevor er still liegen bleibt, den Kopf flach auf dem Tisch. "Weit kommen sie nicht", sagt Pascale mit einem Achselzucken. Dann schneidet sie die Füße ab und zieht die Haut von den Beinen. "Gerade so, als ob man eine Hose ausziehen würde", sagt sie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben