Halbjahresbilanz : IBB erhöht Fördergelder wegen starker Konjunktur

Die landeseigene Investitionsbank Berlin (IBB) hat deutlich mehr Fördergelder als im Vorjahresjahreszeitraum vergeben. Grund dafür ist die anziehende Wirtschaft in Berlin. Vor allem bei Unternehmensgründungen sieht die IBB Berlin stark im Kommen.

Stefan Kaiser
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Berlin - Trotz allgemeiner Konjunkturflaute sieht die Investitionsbank Berlin (IBB) die regionale Wirtschaft auf Wachstumskurs. „Das Wirtschaftsgeschehen in Berlin stellt sich im ersten halben Jahr sehr gut dar“, sagte IBB-Chef Dieter Puchta dem Tagesspiegel am Sonntag. „Von Risiken wie dem hohen Ölpreis oder dem teuren Euro ist die Berliner Wirtschaft weniger stark getroffen als der Rest der Republik“, sagte er. Dies hänge mit der hiesigen Struktur zusammen, die weniger industrie- und exportlastig sei als anderswo. „Jetzt kann Berlin den Vorteil aus seinem Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft ziehen.“

Der Schwung der Wirtschaft macht sich in den Förderzahlen der IBB bemerkbar. Im ersten Halbjahr vergab die landeseigene Bank Darlehen, Beteiligungen und Zuschüsse in Höhe von 162,7 Millionen Euro – das war gut ein Drittel mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Mit diesem Geld seien mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen und rund 4500 gesichert worden, sagte Puchta.

Er rechnet damit, dass sich die Berliner Wirtschaft im zweiten Halbjahr etwas abkühlen wird. Für das Gesamtjahr erwartet die IBB aber immer noch ein Wachstum von 1,5 Prozent. „Damit wird Berlin den Abstand zum Bund weiter verringern“, sagte Puchta. Für Gesamtdeutschland geht die Bank von 1,9 Prozent Wachstum aus nach 2,5 Prozent im Vorjahr. Die Berliner Wirtschaft war 2007 um zwei Prozent gewachsen.

Vor allem bei Unternehmensgründungen sieht die IBB Berlin stark im Kommen. „Hier gibt es im ersten Halbjahr noch einmal einen Trend nach oben“, sagte Puchta. So habe man allein 39 Millionen Euro für die Förderung von Gründern und jungen Unternehmen vergeben. Vor allem in den Branchen Gesundheit, Informationstechnik und Verkehrswesen sieht er riesige Chancen.

Berlin gilt in Deutschland ohnehin als Hauptstadt der Gründer. Mit 275 Gewerbeanmeldungen pro 10 000 Erwerbstätigen lag die Stadt 2007 nach Berechnungen der IBB deutlich über dem Bundesdurchschnitt (siehe Grafik). „Selbst wenn man die Gewerbeabmeldungen abzieht, steht Berlin deutlich besser da als die meisten anderen Regionen“, sagte Puchta.

Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr 44 290 Berliner ein Gewerbe an – Freiberufler sind darin noch nicht eingeschlossen. „Bundesweit gehen die Gründerzahlen seit dem Ende der Ich-AG 2006 zurück“, sagte IBB-Chef Puchta.

Die Förderung durch die Ich-AG hatte 2003 und 2004 einen Gründerboom in Deutschland ausgelöst. Experten zufolge hatten sich auch immer mehr Menschen aus finanzieller Not selbstständig gemacht – gerade in Berlin, wo die Selbstständigenquote mit 14,4 Prozent so hoch ist wie in keinem anderen Bundesland. „Solche Notgründungen haben mittlerweile eindeutig abgenommen“, sagte Puchta. Dies lasse sich auch daran erkennen, dass der Anteil der Kleinstgründungen zurückgehe, während echte Gründungen (mit Angestellten, ohne Kleinstbetriebe, Umzüge und Umwandlungen) zunähmen. Sie machten mehr als 20 Prozent der Gründungen aus. Stefan Kaiser

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