Halbjahresbilanz : Landesbank Berlin: Stress mit Spanien

Die Landesbank Berlin hat im ersten Halbjahr überraschend weniger verdient – eine Folge der europäischen Schuldenkrise.

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Keine glänzenden Aussichten. Die Landesbank, die den deutschen Sparkassen gehört, senkt ihre Gewinnprognose für 2010. Foto: Keystone
Keine glänzenden Aussichten. Die Landesbank, die den deutschen Sparkassen gehört, senkt ihre Gewinnprognose für 2010.Foto: Keystone

Berlin - Gerade noch hatte es so ausgesehen, als stünde die Landesbank Berlin glänzend da. Der europäische Bankentest bescheinigte ihr eine überdurchschnittliche Stressresistenz gegen Konjunktureinbrüche und Schuldenkrisen in europäischen Ländern. Die Halbjahresbilanz der Bank sieht allerdings nicht so gut aus: Ausgerechnet das Engagement in den Schuldenstaaten hat ihr das Ergebnis in den vergangenen Monaten verhagelt.

Ein „lausiges zweites Quartal“ sei das gewesen, sagte Vorstandschef Johannes Evers bei der Vorlage der Halbjahreszahlen am Montag. Zwar machte die Bank von Januar bis Juni operativ 131 Millionen Euro Gewinn, im zweiten Quartal waren es aber nur fünf Millionen Euro. Der Überschuss nach den ersten sechs Monaten lag bei 110 Millionen Euro und sank damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 40 Prozent.

Schuld an dem Einbruch waren vor allem Wertberichtigungen, die die Bank vornehmen musste, weil sie Geld in hochverschuldeten Staaten wie Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien investiert hat. Die Bank habe zehn Milliarden Euro in den sogenannten PIIGS-Staaten angelegt, hauptsächlich in Italien und Spanien. Knapp eine Milliarde Euro davon steckten in Staatsanleihen, sagte Evers. Etwa 90 Prozent seien festverzinsliche Wertpapiere. Die LBB hält diese Papiere nicht nur, um an den Zinsen zu verdienen, sondern auch, um sie bei der Europäischen Zentralbank als Sicherheit für Kredite zu hinterlegen. Sie hätten vor allem im Mai und Juni an Wert verloren. Das schlage sich nun in der Bilanz nieder, sagte Evers.

Bei dem Stresstest, dessen Ergebnisse die europäischen Aufsichtsbehörden Ende Juli veröffentlicht haben, war unter anderem geprüft worden, wie sich das Eigenkapital einer Bank verändert, wenn die Kurse für europäische Staatsanleihen sinken. Dass die Berliner Landesbank trotzdem ein ausgezeichnetes Ergebnis vorweisen konnte, hat zwei Gründe. Zum einen wurden bei dem Test nur Staatsanleihen berücksichtigt. Die LBB aber hat zum größten Teil in Unternehmen investiert, hauptsächlich Banken, darunter auch spanische Sparkassen, die besonders unter der spanischen Immobilienkrise zu leiden hatten. Hinzu kommt: Die LBB bilanziert die Staatsanleihen im Bankbuch, nicht im Handelsbuch. Im Bankbuch stehen solche Papiere, die eine Bank dauerhaft als Anlagevermögen hält, nicht, um sie kurzfristig weiter zu verkaufen. Bei dem Stresstest wurden aber nur solche Staatsanleihen bewertet, die im Handelsbuch bilanziert sind. Trotz der jüngsten Wertberichtigungen liegt die Kernkapitalquote der Landesbank Berlin und ihrer Holding mit 8,9 Prozent aber immer noch geringfügig über dem Stand vom Dezember 2009.

„Die Bank ist solide aufgestellt und kann mit ihrem nachhaltigen Geschäftsmodell auch temporäre Schwankungen verkraften“, sagte Vorstandschef Evers. Mit der Entwicklung der übrigen Geschäftsfelder sei er zufrieden. Im Privatkundengeschäft habe man das operative Ergebnis im ersten Halbjahr auf 73 Millionen Euro steigern können, nach 25 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dies sei zwar zum Teil dem Verkauf einer Beteiligung in Höhe von knapp 19 Millionen Euro geschuldet. Allerdings seien in den ersten sechs Monaten auch fast 16 000 neue Girokonten eröffnet worden. Die Kundeneinlagen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Auch das Geschäftsfeld Firmenkunden verbesserte sich von 30 Millionen Euro auf 48 Millionen Euro. Das Kapitalmarktgeschäft, das sehr abhängig ist von dem Auf und Ab an den Finanzmärkten, erzielte im ersten Halbjahr mit 72 Millionen Euro ein dem Vorjahr vergleichbares Ergebnis. Für das zweite Quartal musste die Bank allerdings einen Verlust von 21 Millionen Euro verbuchen.

Evers warnte davor, von den Zwischenergebnissen auf das Jahresergebnis zu schließen. Das erste Quartal 2010 sei schließlich gut gewesen. Sollten sich die Finanzmärkte wieder beruhigen, bleibe „ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres erreichbar“. Bisher hatte die Bank allerdings noch steigende Gewinne in Aussicht gestellt.

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