Halbjahresverlust : Umbau kostet Commerzbank den Gewinn

Die Commerzbank will Strukturen verschlanken und gleichzeitig das Privatkundengeschäft stärken. Das kostet derzeit vor allem eines: Geld. An der Börse kommt es aber gut an.

Nach der Übernahme der Dresdner Bank veränderte die Commerzbank 2010 ihr Logo. Nun steckt sie mitten im Umbau der Struktur.
Nach der Übernahme der Dresdner Bank veränderte die Commerzbank 2010 ihr Logo. Nun steckt sie mitten im Umbau der Struktur.Foto: dpa

Die Commerzbank ist im ersten Halbjahr nicht aus den roten Zahlen gekommen - trotz eines Gewinns in den vergangenen Monaten. Zwar fuhr Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Geschäftsbank von April bis Juni ein Plus von 43 Millionen Euro ein, wie aus den am Donnerstag in Frankfurt am Main veröffentlichten Geschäftszahlen des Konzerns für das zweite Quartal hervorging.

In den ersten sechs Monaten blieb damit demnach aber dennoch ein Verlust in Höhe von 51 Millionen Euro stehen.
In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres hatte die teilverstaatlichte Commerzbank einen Gewinn von 625 Millionen Euro eingefahren. Im zweiten Quartal des Vorjahres hatte der Konzern einen Überschuss von 270 Millionen Euro erwirtschaftet.

Commerzbank-Chef Martin Blessing führte den Verlust im ersten Halbjahr auf den laufenden Konzernumbau zurück. Das im Vergleich zum Vorjahr deutlich schwächere Ergebnis im zweiten Quartal sei „in weiten Teilen auf Sondereffekte“ im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Commerzbank und auf den Abbau von Altlasten zurückzuführen. So hätten alleine die Kosten für den Konzernumbau und der Verkauf eines Immobilien-Portfolios in Großbritannien mit 630 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

Der Commerzbank gelinge die Neuausrichtung - „in Teilbereichen sogar etwas schneller als geplant“, erklärte Blessing. 2013 sei für den Konzern aber ein „Übergangsjahr“, in dem Kosten für die Neuausrichtung verbucht werden müssten. Trotzdem ermögliche es die Verständigung mit dem Betriebsrat auf den Umfang des geplanten Stellenabbaus vor einigen Wochen der Commerzbank, ihre Kostensenkungen „zügig umzusetzen“.

Diese Nachricht und vor allem der operativ leicht positive Quartalsabschluss macht den Anlegern Hoffnung. An der Börse in Frankfurt am Main gewann das Papier zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent. Allerdings hatte die Aktie in den vergangenen Monaten eine fast beispiellose Talfahrt hinter sich gebracht. Nur eine Bündelung von zehn alten zu einer neuen Aktie verhinderte das Abrutschen zum Pennystock.

Vor einigen Wochen hatte die Commerzbank angekündigt, mehr als jede zehnte Stelle im Konzern streichen zu wollen. Insgesamt 5200 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Die Commerzbank stellt sich derzeit strategisch neu auf und will vor allem ihr Geschäft mit Privatkunden stärken.

Der Stellenabbau macht bei der Commerzbank auch vor dem Vorstand keinen Halt: Am Mittwoch beschloss die Commerzbank, den Konzernvorstand um zwei auf sieben Mitglieder verkleinern zu wollen. Welche Vorstandsmitglieder auf ihre Sitze verzichten müssen, gab die Commerzbank bislang aber noch nicht bekannt. Der Konzern wolle nach einvernehmlichen Lösungen mit den Managern suchen, deren Spitzenposten zur Disposition stehen. (AFP)

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